Beihilfe für Referendare

Wenn Sie eine Karriere als Lehrer, Richter oder Staatsanwalt anstreben, müssen Sie vorher Ihr Referendariat leisten. Alles, was Sie als Referendar über die Beihilfe wissen müssen, erfahren Sie hier.

Wer eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst anstrebt, muss nicht nur ein abgeschlossenes Studium vorweisen. Für Lehrer, Richter und einige andere Berufsgruppen steht vor der Karriere der Vorbereitungsdienst – etwa bei der Bundesbank oder im höheren Bibliotheksdienst. Das Referendariat dauert im Normalfall 18 bis 24 Monate und endet mit einer Laufbahnprüfung, dem Staatsexamen. Erst danach sind alle Voraussetzungen erfüllt, um Beamter auf Lebenszeit zu werden und Anspruch auf reguläre Beihilfe zu haben.

Michaela will Lehrerin für Mathe und Physik werden. Sie hat in Leipzig studiert und will sich nun für ihr Referendariat bewerben. Wo, ist sie noch unsicher. Ihr Freund Stefan hat gerade in Erfurt das erste juristische Staatsexamen erfolgreich bestanden. Sie überlegen, in dieser Phase ihrer Ausbildung zusammenzuziehen.

Für das Referendariat sind die Bundesländer zuständig. Je nach Land und Fachlaufbahn sind die Rechtsverhältnisse dort ganz unterschiedlich geregelt.

Beamter auf Widerruf oder öffentlich-rechtliches Ausbildungsverhältnis

Als Lehramtsanwärter im Referendariat werden Sie in fast allen Bundesländern inzwischen als Beamter auf Widerruf angestellt. Das bedeutet, Sie haben in dieser Zeit Beamtenstatus mit allen Rechten und Pflichten. Und dazu gehört auch die Beihilfe. Mit dem Bestehen der Laufbahnprüfung am Ende der Dienstzeit erlischt dieser Status automatisch. Sachsen allerdings schert aus. Dort sind Referendare im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnisses angestellt. In Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg kann der Vorbereitungsdienst sowohl im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis als auch als Beamter auf Widerruf erfolgen.

Umgekehrt ist es bei Rechtsreferendaren: Weil ihre Prüfung auch Zugangsvoraussetzung für Jobs außerhalb des Staatsdienstes ist, etwa für Rechtsanwälte, ernennen 15 der 16 Bundesländer Referendare in diesem Bereich nicht zu Beamten auf Widerruf. Als Referendar sind Sie hier lediglich im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnisses angestellt. Anspruch auf Beihilfe besteht zu diesem Zeitpunkt nicht. Nur in Thüringen sind junge Juristen im Referendariat noch Beamte auf Widerruf.

Was den Anspruch auf Beihilfe angeht, würden Michaela und Stefan in Erfurt deutlich besser stehen als in Leipzig. In der Thüringer Landeshauptstadt würden sowohl die angehende Lehrerin als auch der junge Jurist als Beamte auf Widerruf eingestellt. Im sächsischen Leipzig dagegen stünden beide in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis. Mit beträchtlichen Folgen.

Kein Beihilfeanspruch für Referendare im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis

Referendare im öffentlich-rechtlichen AusbildungsverhältnisWer im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis steht, profitiert nicht von den Leistungen des Dienstherrn, die aus der Fürsorgepflicht für seine Beamten erwachsen. Als Referendar sind Sie dann ein sozialversicherungspflichtiger Angestellter im öffentlichen Dienst. Als solcher sind Sie in einer gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Der Dienstherr führt die Beiträge zur Krankenversicherung selbständig ab wie jeder andere Arbeitgeber. Anspruch auf Beihilfe haben Sie als Referendar nicht.

Beamtenanwärter für Laufbahnen im einfachen, mittleren und gehobenen Dienst sind in dieser Hinsicht eindeutig besser gestellt. Ganz gleich, ob der Bund oder eines der Länder ihr Dienstherr ist: Sie sind allesamt Beamte auf Widerruf und profitieren damit von den Vorteilen, die der Dienstherr seinen Bediensteten mit der Beihilfe gewährt. Mit der wohlüberlegten Auswahl einer die Beihilfe ergänzenden privaten Krankenversicherung sind Sie von Anfang an günstig, gut und komfortabel abgesichert.

Besonderheiten bei der Beihilfe für Referendare

Wer im Referendariat Beamter auf Widerruf ist, muss bei der Beihilfe einige Besonderheiten beachten. Für bestimmte Leistungen wie Kuren gibt es in einigen Bundesländern Wartezeiten. In Baden-Württemberg zum Beispiel müssen Sie fünf Jahre beihilfeberechtigt sein, bevor Sie für solche Leistungen Beihilfe bekommen.

Besondere Einschränkungen gibt es in vielen Bundesländern für Beamte auf Widerruf im Referendariat bei zahnärztlichen Behandlungen. In der Regel sind Aufwendungen für folgende Behandlungen nicht beihilfefähig:

  • Zahnersatz,
  • Inlays,
  • Zahnkronen,
  • funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen sowie
  • implantologische Leistungen.

Diese Einschränkungen gelten nicht nur für die Referendare, sondern auch für die berücksichtigungsfähigen Angehörigen. Ob diese Regelung auch in Ihrem Bundesland gilt, erfahren Sie im Abschnitt über die Beihilfe in den Ländern.

Im Übrigen sind die Spezialregelungen eher positiv für Sie. In Berlin, Hamburg und Schleswig-Holstein zum Beispiel müssen Sie die Kostendämpfungspauschale nicht tragen. In Thüringen sind Beamte auf Widerruf im Vorbereitungsdienst vom Eigenbehalt befreit.

Ein weiterer Pluspunkt für Erfurt auf der Entscheidungsliste von Michaela und Stefan. Die beiden werden sich wohl für die Stadt in Thüringen entscheiden, die Ihnen eine sehr gute Absicherung bietet.

Allerdings müssen Sie als Beamte auf Widerruf eine private Krankenversicherung, die Restkostenversicherung, und eine Pflegepflichtversicherung abschließen. Die zuständige Beihilfestelle wird beim ersten Beihilfeantrag sogar eine Bescheinigung über den Abschluss dieser privaten Krankenversicherung verlangen.

 Tipp

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Für das Referendariat sind die Länder zuständig.
  • Rechtsreferendare stehen in der Regel im öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis.
  • Studienreferendare sind in den meisten Ländern zu Beamten auf Widerruf ernannt.

Nur Beamte auf Widerruf haben einen Anspruch auf Beihilfe.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2016



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