Psychotherapie

Ambulante Psychotherapie

Das zahlt die Beihilfe

Psychotherapie wird von der Beihilfe in vielen Fällen erstattet. Von der Indikation über anerkannte Therapien und deren Dauer bis zu einem vorausgehenden Genehmigungsverfahren müssen dafür allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Aus dem Inhalt

Beihilfefähigkeit der Psychotherapie setzt Indikationen voraus Nur einige Behandlungsverfahren sind beihilfefähig Beihilfefähigkeit muss vorher von der Beihilfestelle anerkannt werden Beihilfefähige Dauer der Psychotherapie ist begrenzt

Ambulante psychotherapeutische Behandlungen gehören in vielen Fällen zu den von den Beihilfefestsetzungsstellen anerkannten, notwendigen und angemessenen Aufwendungen. Sie sind deshalb auch beihilfefähig. Bevor Beamte allerdings Beihilfe für eine oft über mehrere Monate dauernde Therapie bekommen, müssen Sie einige Voraussetzung erfüllen.

Beihilfefähigkeit der Psychotherapie setzt Indikationen voraus

Beihilfe für Psychotherapie gibt es zunächst nur für bestimmte Indikationen. Darunter fallen

  • affektive Störungen wie depressive Episoden in Folge eines Burnout-Syndroms,
  • Angst- und Zwangsstörungen,
  • somatoforme und dissoziative Störungen,
  • Anpassungsstörungen und
  • Reaktionen auf schwere Belastungen,
  • Essstörungen,
  • nichtorganische Schlafstörungen,
  • sexuelle Funktionsstörungen sowie
  • Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen,
  • psychische Folgen von Suchtkrankheiten oder
  • schweren chronischen Krankheitsverläufen,
  • Mangel- und Missbrauchserfahrungen in früher Kindheit.

Nur einige Behandlungsverfahren sind beihilfefähig

Nur wenige Behandlungsverfahren sind tatsächlich beihilfefähig. Dazu gehören

  • tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie,
  • analytische Psychotherapie,
  • Verhaltenstherapie sowie
  • Methoden der psychosomatischen Grundversorgung wie zum Beispiel autogenes Training und Relaxationstherapie nach Jacobson.

Anlage 3 zu den §§ 18 bis 21 der Bundebeihilfeverordnung listet in Abgrenzung dazu einige nicht beihilfefähige Behandlungsverfahren auf wie zum Beispiel die Familientherapie und stellt klar, dass auch Behandlungen, die zur schulischen, beruflichen oder sozialen Anpassung oder Förderung bestimmt sind, nicht von der Beihilfe übernommen werden.

Beihilfefähigkeit muss vorher von der Beihilfestelle anerkannt werden

Vor dem Beginn einer ambulanten Therapie steht zudem ein aufwendiges Voranerkennungsverfahren, in dem alle Voraussetzungen geprüft werden. Dazu benötigen Beamte zunächst einen Konsiliarbericht eines Arztes, der belegt, dass medizinische Gründe einer Psychotherapie nicht entgegenstehen. Diesen kann der Hausarzt erstellen, der auch eine Überweisung an einen Psychotherapeuten ausstellt. Patienten suchen sich dann einen Therapeuten, mit dem sie sogenannte probatorische Sitzungen abhalten. Fünf solcher probatorischen Sitzungen zahlt die Beihilfe in jedem Fall. Wollen und können Therapeut und Patient die Arbeit danach fortsetzen, müssen sie einen Antrag stellen.

PsychotherapieFür das Anerkennungsverfahren ist außerdem ein vertrauensärztliches Gutachten erforderlich, das die Notwendigkeit einer psychotherapeutischen Behandlung bestätigt. Dazu muss der Therapeut einen Bericht erstellen, der gemeinsam mit dem Konsiliarbericht in einem als „vertrauliche Arztsache“ gekennzeichneten und verschlossenen Umschlag an die Festsetzungsstelle geht. Diese bittet einen vertrauensärztlichen Gutachter um Stellungnahme, auf deren Grundlage die Beihilfestelle ihre Entscheidung fällt. Die Festsetzungsstellen halten spezielle Formulare für den Antrag auf Anerkennung der Beihilfefähigkeit für Psychotherapie bereit, wie zum Beispiel das Bundesverwaltungsamt. Am Ende des Voranerkennungsverfahrens erhält der Beamte einen rechtsmittelfähigen Bescheid über die Anerkennung der Beihilfefähigkeit der Aufwendungen für Psychotherapie, gegen den er Widerspruch einlegen kann.

Beihilfefähige Dauer der Psychotherapie ist begrenzt

Ist die Beihilfefähigkeit der Psychotherapie erstmal genehmigt, sind die Anzahl der Sitzungen allerdings begrenzt.

Maximale Anzahl der Sitzungen bei Psychotherapie*
  Sitzungen in Einzelbehandlung Sitzungen in Gruppenbehandlung
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie von Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben
Probatorische Sitzungen 5 5
Regelfall 50 40
Verlängerung bei besonderen Fällen 30 20
Wenn das Behandlungsziel in den genannten Sitzungen noch nicht erreicht worden ist 20 weitere 20 weitere
Analytische Psychotherapie von Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet haben
Probatorische Sitzungen 8 8
Regelfall 80 40
Bei erneuter eingehender Begründung der Therapeutin / des Therapeuten 80 weitere 40 weitere
In besonderen Ausnahmefällen nochmals 80 weitere nochmals 40 weitere
Wenn das Behandlungsziel in den genannten Sitzungen noch nicht erreicht worden ist höchstens 60 weitere Sitzungen höchstens 30 weitere Sitzungen
Tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie von Personen, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben
Probatorische Sitzungen 5 5
Regelfall 70 40
Bei erneuter eingehender Begründung der Therapeutin / des Therapeuten 50 20
In besonderen Ausnahmefällen höchstens 30 weitere höchstens 30 weitere
Tiefenpsychologisch fundierte oder analytische Psychotherapie von Personen, die das 14. Lebensjahr, aber noch nicht das 18. Lebensjahr vollendet haben
Probatorische Sitzungen 5 5
Regelfall 9 40
Bei erneuter eingehender Begründung der Therapeutin / des Therapeuten 50 20
In besonderen Ausnahmefällen höchstens 40 weitere höchstens 30 weitere
Verhaltenstherapie bei Erwachsenen und Kindern
Probatorische Sitzungen 5 5
Regelfall 45 45
Wird das Behandlungsziel nicht innerhalb der genannten Sitzungen erreicht 15 weitere 15 weitere
Nur in besonderen Ausnahmefällen 20 weitere 20 weitere
* gemäß Bundesbeihilfeverordnung, Stand 5/2015. Kann je nach Bundesland abweichen.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Psychotherapie ist grundsätzlich beihilfefähig.
  • Vor dem Therapiebeginn steht ein Voranerkennungsverfahren auf der Grundlage eines vertrauensärztlichen Gutachtens.
  • Die Anzahl der Therapiesitzungen ist auf ein Maximum beschränkt.
Letzte Aktualisierung: 16.11.2016


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