Das zahlt die Beihilfe für Arzneimittel

Arzneimittel, die ein Arzt verschrieben hat, sind beihilfefähig – so die Regel. Welche Ausnahmefälle in den Regalen der Apotheken warten, erfahren Sie hier.

Grundsätzlich gilt: Aufwendungen für Arzneimittel, die ein Arzt oder Zahnarzt schriftlich zur Behandlung verordnet, sind beihilfefähig; dies gilt jedoch nicht für solche von Heilpraktikern. Doch Ausnahmen bestätigen auch im Fall von Arzneimitteln die Regel. Und in diesem Fall gibt es viele.

Je nach Dienstherrn fallen die Ausnahmen für Sie mehr oder weniger günstig aus. Einige Dienstherren schließen zum Beispiel nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel von der Beihilfefähigkeit aus – ganz egal, ob Ihr Arzt Ihnen dafür ein Rezept ausstellt. Ausgenommen sind davon nur bestimmte Härtefälle, etwa wenn das Medikament bei schweren Krankheiten als Therapiestandard gilt. Auch Kinder unter zwölf Jahren sind grundsätzlich von dieser Regelung befreit. Nur wenige Bundesländer wie etwa Bayern, das Saarland oder Berlin zahlen Beihilfe auch für nicht verschreibungspflichtige Medikamente – sofern ein Arzt sie verordnet hat.

Kopfschmerztabletten und Anti-Baby-Pille müssen Beamte aus eigener Tasche bezahlen

Selbst in den großzügigsten Bundesländern sind aber nicht alle Arzneimittel beihilfefähig. Für folgende Medikamente zahlt die Beihilfestelle keinen Cent:

  • Erkrankungen im Mund und Rachenraum oder
  • ganz allgemein gegen Erkältungen und grippalen Infekt,
  • Verstopfung und Reisekrankheit sowie
  • Hustensaft und Kopfschmerztabletten.

Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium und Multivitamintabletten, Diätprodukte oder andere Mittel, die weniger heilenden Zwecken als dem persönlichen Wohlgefühl dienen, unterstützt die Beihilfe ebenfalls nicht. Selbst die Empfängnisverhütung liegt in der Eigenverantwortung der Beamten. Ausnahme von der Ausnahme: junge Mädchen unter 20 können sich die Anti-Baby-Pille verschreiben lassen und erhalten dafür Beihilfe.

Beamte müssen Eigenbehalt für Medikamente tragen

Medikamente

Für die verbliebenen beihilfefähigen Arzneimittel müssen sich Beamte im Bund und in vielen Bundesländern dann auch noch einen Eigenanteil anrechnen lassen. Der Bund setzt dafür zehn Prozent des Abgabepreises an, mindestens fünf, aber maximal zehn Euro. Diesem Beispiel haben sich viele Bundesländer angeschlossen. Bayern ist etwas großzügiger und setzt pauschal drei Euro an, Thüringen vier Euro, Hessen 4,50 Euro und Bremen sechs Euro. Nur in Baden-Württemberg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist der volle Betrag beihilfefähig.

Vorsicht bei Festbetragsarzneimitteln!

Eine weitere Falle wartet an der Apothekenkasse: Für bestimmte Medikamente bekommen Sie immer nur einen bestimmten Betrag, auch wenn sie tatsächlich viel teurer waren. Das liegt an den sogenannten Festbetragsregelungen, die die Dienstherren in Bund und Ländern in die Beihilfeverordnungen aufgenommen haben. Gleiche Regelungen wurden auch im Rahmen der Heilfürsorge getroffen. Festbeträge gibt es für solche Arzneimittel, für die es auch günstigere Alternativen zur Versorgung gibt. Also Medikamente, die denselben Wirkstoff oder pharmakologisch-therapeutisch vergleichbare Wirkstoffe enthalten oder solche mit therapeutisch vergleichbarer Wirkung. Darunter fallen zum Beispiel die sogenannten Generika. Das sind Medikamente, für die der Patentschutz abgelaufen ist.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Arzneimittel sind beihilfefähig, wenn sie von einem Arzt oder Zahnarzt verordnet werden.
  • In der Regel sind nicht verschreibungspflichtige Medikamente nicht beihilfefähig.
  • Hustensaft, Kopfschmerztabletten und auch die Anti-Baby-Pille müssen Beamte aus eigener Tasche bezahlen.
  • In den meisten Bundesländern tragen Beamte einen Eigenanteil an den Kosten des Arzneimittels.
  • Für sogenannte Festbetragsmedikamente ist die Beihilfe gedeckelt.
Letzte Aktualisierung: 16.11.2016




Gewünschte Information nicht gefunden?
Schauen Sie in unser Glossar
In unseren Glossartexten erläutern wir für Sie ein paar Grundbegriffe rund um unser Gesundheitssystem und FachBeihilfebegriffe, die immer wieder in unseren Texten auftauchen. Beihilferatgeber-Glossar