Ambulante Arztbehandlung

Arztbesuche erstattet die Beihilfe – das Wichtigste zu ambulanten Arztbehandlungen

Die häufigsten Rechnungen, die bei der Beihilfe eingereicht werden, sind die Arztrechnungen. Im Rahmen von ambulanten Krankenbehandlungen fallen auch die Kosten für Laboruntersuchungen, Medikamente, Heil- und Hilfsmittel und unter Umständen auch Fahrtkosten an. Aber in welcher Höhe erstattet die Beihilfe solche Kosten?

Aus dem Inhalt

Beihilfe für Arztbesuche: Behandlungen müssen notwendig und angemessen sein Krankenversicherungspflicht für Beamte Arztrechnungen für ambulante Operationen Besondere Untersuchungen Krankengymnastik und Physiotherapie Arznei-, Verband- und Heilmittel Arztbesuch: Beihilfe für Fahrtkosten Ausnahmen bei Dialysen, Chemo- und Strahlentherapien Fahrtkosten nur in Höhe des Bundesreisekostengesetzes Aufwendungen für Unterkunft

Grundvoraussetzung für die Erstattung dieser Maßnahmen ist immer, dass es sich um beihilfefähige Aufwendungen handelt. Die Arztbesuche umfassen oft Leistungen verschiedener Personen und Institutionen.

Zu den ärztlichen Leistungen zählen nur die, die der Arzt selbst oder sein Personal erbringen. Wenn der Arzt die Lunge abhört und seine Arzthelferin im Anschluss Blut für die weitere Diagnose abnimmt, sind das Arztleistungen. Die Untersuchung der Blutprobe im Labor ist, auch wenn sie von einem anderen Arzt in einer Laborgemeinschaft durchgeführt wird, ebenfalls eine ärztliche Leistung. Sie wird nach einem eigenen Abschnitt der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet.

Wer sich von seinem Hausarzt bei der Erstellung einer Patientenverfügung helfen lässt, kann, sofern der Hausarzt dafür eine Rechnung stellt, diese nicht bei der Beihilfe einreichen. Auch die Krankenkassen übernehmen diese Beratung nicht.

Beihilfe für Arztbesuche: Behandlungen müssen notwendig und angemessen sein

Die Behandlung muss notwendig sein. Damit die Beihilfestelle feststellen kann, ob es sich um eine notwendige Behandlung gehandelt hat, muss der Arzt in der Abrechnung eine Diagnose angeben. Die Angabe einer Gebührenziffer der GOÄ allein reicht nicht aus. Denn sonst kann die Beihilfestelle nicht erkennen, ob es sich nicht um eine nicht beihilfefähige Aufwendung, wie eine Schönheitsoperation, gehandelt hat. Auch die privaten Krankenkassen wollen die Angabe einer Diagnose auf der Rechnung.

 Tipp
Jeder Patient hat das Recht, Einsicht in seine Krankenakte beim Arzt zu nehmen. Sie können auch Kopien daraus fordern. Die Kopien können Ihnen aber vom Arzt in Rechnung gestellt werden.

Beihilfe für ArztbesucheDie Behandlung muss auch angemessen sein. Dieser Begriff bezieht sich auf die GOÄ. Zu dieser Gebührenordnung gehört ein Gebührenverzeichnis, das ungefähr 2.400 Einzelpunkte mit den dazugehörenden Vergütungssätzen enthält. Die GOÄ sieht einen Gebührenrahmen für Ärzte vor. Das bedeutet, dass dem Arzt für die meisten Behandlungsmaßnahmen eine Spanne eingeräumt wird, innerhalb derer er abrechnen kann. Da nicht jede Behandlung gleich aufwendig ist, gibt es zum Beispiel für persönliche ärztliche Leistungen einen Rahmen vom 1- bis 3,5-fachen Gebührensatz.

Wichtig ist, dass die Beihilfe nur die Gebühren akzeptiert, die den Schwellenwert für den jeweiligen Arztbesuch nicht übersteigen. Die Schwellenwerte geben die Gebühr wieder, die für eine durchschnittliche Behandlung berechnet werden darf. Nur wenn der Arzt in der Berechnung ausdrücklich darlegt, warum er diese Maßnahme als besonders schwierig oder sehr zeitaufwendig angesehen hat, kann die Beihilfestelle auch eine höhere Gebühr anerkennen.

Die üblichen Werte sind

  • für persönliche ärztliche Leistungen das 2,3-fache,
  • bei überwiegend medizinisch-technischen ärztlichen Leistungen das 1,8-fache und
  • bei Laboruntersuchungen das 1,15-fache

des einfachen Gebührensatzes.

Wichtig: Der Arzt kann in seiner Rechnung eine höhere Gebühr verlangen. Auch wenn die Beihilfestelle diese Gebühr nicht anerkennt, ändert das für den Patienten nichts daran, dass er die Rechnung übernehmen muss. Er hat mit dem Arzt einen Behandlungsvertrag geschlossen.

Bestehen Zweifel, ob die  Begründung des Arztes tatsächlich stimmt, dann soll der Beihilfeberechtigte seinen Arzt zu einer weiteren Aufklärung auffordern. Oft haben dies dann aber schon die Krankenkassen veranlasst. Gibt es gar keine Einigung, kann die Beihilfestelle letztlich eine Stellungnahme der Ärztekammer einholen.

 Tipp
Haben Sie Zweifel an der Höhe einer Arztrechnung, dann zahlen Sie zunächst nur einen Abschlag in Höhe der mittleren Gebührenwerte und wenden Sie sich an Ihren Arzt. Ist der nicht bereit, die Rechnung zu reduzieren, wenden Sie sich an die Beihilfestelle oder ihre Krankenkasse. Es ist auch möglich, dass die Krankenkasse die Klärung vollständig für Sie übernimmt.

Krankenversicherungspflicht für Beamte

Abhängig von Ihrem persönlichen Beihilfebemessungssatz, der bei Beamtenanwärtern und Beamten auf Probe bei nur 50 Prozent liegt, müssen Sie die andere Hälfte Ihrer Gesundheitskosten selber tragen. Und das kann schnell ziemlich ins Geld gehen. Seit dem Jahr 2009 sind Beamte deshalb verpflichtet, ihrer Beihilfestelle bei der ersten Antragstellung eine Bescheinigung über die Restkostenversicherung vorzulegen. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle – ohne und mit Selbstbeteiligung. Beispielsweise bietet das Tarifkonzept COMFORTBeihilfe der Continentale Krankenversicherung a.G. ein intelligentes Selbstbeteiligungskonzept. Dadurch bleiben die Beiträge bezahlbar.

Informieren Sie sich jetzt über COMFORTBeihilfe. Speziell für Beamtenanwärter und Beamte auf Probe bietet diese Restkostenversicherung eine sichere Basis mit umfassenden ambulanten, zahnärztlichen und stationären Leistungen. Berechnen Sie jetzt mit unserem Beihilferechner Ihren Bemessungssatz und den Beitrag Ihrer Restkostenversicherung im Continentale Versicherungsverbund.

Arztrechnungen für ambulante Operationen

Bei einigen Erkrankungen ist es auch möglich, Operationen ambulant durchzuführen. Selbstverständlich bekommen Beamte für diese Arztleistungen grundsätzlich Beihilfe. Die GOÄ sieht dafür in einem besonderen Abschnitt Zuschläge vor, die der Arzt geltend machen kann. Ein Überschreiten der oben genannten Schwellenwerte zuzüglich dieser Zuschläge muss aber auch hier wieder begründet werden. Der Arzt muss genau angeben, weshalb die höhere Gebührenforderung im Einzelfall zusätzlich zu den Zuschlägen erforderlich ist.

Besondere Untersuchungen

Die Arztleistungen müssen immer im Zusammenhang mit einer Erkrankung oder einer Geburt stehen. Andere Leistungen, zum Beispiel ein Attest für eine Lebensversicherung oder die Untersuchung der Führerscheintauglichkeit, sind nicht als ambulante Arztbehandlung beihilfefähig.

Krankengymnastik und Physiotherapie

Krankengymnastik und PhysiotherapieHier handelt es sich nicht um Arztleistungen. Wenn aber ein Arzt solche zusätzlichen ambulanten Arztbehandlungen verschreibt und diese von dafür anerkannten Personen wie staatlich geprüften Krankengymnasten erbracht werden, sind sie für Beamte beihilfefähig.

Arznei-, Verband- und Heilmittel

Hier kommt es ausschließlich darauf an, ob diese Mittel generell beihilfefähig sind oder zu den nicht beihilfefähigen Aufwendungen zählen, wie zum Beispiel eine einfache Kopfschmerztablette oder ein Fieberthermometer. Keine Rolle spielt es, ob diese Mittel im Rahmen einer ambulanten oder einer stationären Arztbehandlung verschrieben und angewendet werden.

Arztbesuch: Beihilfe für Fahrtkosten

Bei ambulanten Behandlungen muss der Arzt vom Patienten aufgesucht werden. Die Fahrtkosten für einen gewöhnlichen Arztbesuch übernimmt weder die Beihilfe noch die Krankenkasse. Auch die Rückbeförderung aus dem Urlaub geht, egal ob gesund oder krank, immer auf Kosten des Patienten. Hier hilft nur der Abschluss einer gesonderten Auslands- oder Reise-Krankenversicherung. Oft ist der Rücktransport im Rahmen einer Auslandskrankenversicherung enthalten. Dies sollten Sie aber unbedingt vor dem Urlaubsantritt klären.

Bei der ausnahmsweisen Erstattung gelten in einigen Bundesländern Abweichungen. Wer sich zu einer ambulanten Operation, egal ob im Krankenhaus oder in einer Praxis fahren lässt, bekommt die Fahrtkosten erstattet. Zu diesen Fahrten zählen auch alle, die im Vorfeld (zum Beispiel Voruntersuchungen) oder in der Nachsorge (zum Beispiel Fäden ziehen) notwendig sind.

Ausnahmen bei Dialysen, Chemo- und Strahlentherapien

Für weitere Arztbesuche erhalten Beamte nur in ganz besonderen Ausnahmenfällen eine Erstattung. So sind unter anderem Fahrten zur Dialyse, zu einer Chemo- oder Strahlentherapie bei Krebs anerkannt. In jedem Fall ist es aber sinnvoll, solche Fahrten schon vorher mit der Beihilfestelle abzuklären und sie sich gegebenenfalls schriftlich genehmigen zu lassen.

Fahrtkosten nur in Höhe des Bundesreisekostengesetzes

Die Höhe der Fahrtkosten wird nach dem Bundesreisekostengesetz bestimmt. Beamte werden dazu veranlasst, regelmäßige Verkehrsmittel zu nehmen, also Bahn, Bus oder seltener das Flugzeug. Dabei ist immer die niedrigste Bahn-, Bus- oder Flugklasse zu nehmen. Höhere Klassen werden bei Bahnfahrten nur zurückgezahlt, wenn es sich um eine Fahrzeit von mindestens zwei Stunden handelt. Ist eine Begleitung unbedingt erforderlich wie zum Beispiel bei Kindern, dann kann auch der Fahrpreis für die Begleitung beansprucht werden.

Wer mit dem eigenen Auto fährt, bekommt 20 Cent/Kilometer, allerdings insgesamt nicht mehr als 130 Euro. Wer zu einer Reha-Maßnahme fährt, kann für Hin- und Rückfahrten insgesamt 200 Euro beanspruchen.

Ein Taxi darf nur dann für solche Fahrten genutzt werden, wenn der Arzt bestätigt, dass dies erforderlich ist, weil öffentliche Verkehrsmittel nicht genutzt werden können. Wer zum Beispiel im Rahmen einer Krebserkrankung ein angegriffenes Immunsystem hat, muss die Ansteckungsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln meiden. Es muss aber auch begründet werden, warum kein eigenes Auto benutzt werden kann. Ist eine Taxibenutzung aber ausreichend begründet, dann gilt die Begrenzung auf 20 Cent/Kilometer nicht. Auch hier ist es sehr ratsam, sich vorher an die Beihilfestelle zu wenden.

Aufwendungen für Unterkunft

Wer sich ambulant von einem Arzt behandeln lässt, der weiter weg seine Praxis hat, kann unter Umständen auch Übernachtungskosten bei der Beihilfe verlangen. Hier muss man sich aber unbedingt vorher mit der Beihilfestelle in Verbindung setzen und die Kosten genehmigen lassen. Der Betrag bestimmt sich wieder nach dem Bundesreisekostengesetz. Es besteht ein Höchstbetrag von 30 Euro täglich, was 150 Prozent des im Bundesreisekostengesetz vorgesehenen Übernachtungsgeldes entspricht. Ist eine Begleitperson nötig, dann sind auch diese Kosten beihilfefähig.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2016


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