Quereinstieg in die Justiz – sichere Berufe mit Beihilfeanspruch

Das Justizwesen ist überwiegend Ländersache – abgesehen von den wenigen Bundesgerichten. Den Justizministerien der Länder unterstehen insbesondere die Oberlandes-, Landes- und Amtsgerichte sowie die Justizvollzugsanstalten. Neben Richtern und Staatsanwälten gibt es weitere Berufe in der Rechtspflege. Anders als bei der Polizei werden im Justizwesen auch Mitarbeiter in der unteren Laufbahngruppe, dem einfachen Dienst, gesucht. Vor allem im mittleren Dienst bietet sich die Chance eines Quereinstiegs in den Gerichtsvollzieherberuf. Im gehobenen und höheren Dienst ist immer ein Studium die Eintrittskarte, es muss aber nicht immer das Jurastudium sein.

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Generell bedeutet der Quereinstieg aber nicht, dass Sie einfach eine Umschulung durchlaufen und dann im neuen Job loslegen können. Immerhin übernehmen Sie als künftiger Beamter hoheitliche Aufgaben und müssen zunächst ein Auswahlverfahren bestehen. Danach folgt der Vorbereitungsdienst, der je nach Laufbahn und Vorbildung unterschiedlich lang dauert.

Der einfache Dienst: Für Hauptschulabsolventen mit handwerklicher Ausbildung offen

Den einfachen Dienst im Justizvollzug bilden drei Berufe: Justizhelfer, Justizhausmeister und Justizwachtmeister. Als Bewerber müssen Sie körperlich fit sein, mindestens einen guten Hauptschulabschluss sowie eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung vorweisen. Idealerweise haben Sie auch einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Das Höchstalter bei Einstellung ist in den Bundesländern unterschiedlich und liegt beispielsweise in Niedersachen bei 40 Jahren und in Nordrhein-Westfalen bei 38 Jahren.

In einem zweitägigen Auswahlverfahren werden Sie auf sportliche Leistungen sowie auf Schulkenntnisse (Deutsch, Mathematik und Englisch) und psychische Gesundheit überprüft. Danach folgt eine sechsmonatige Ausbildung, die sich in praktische und theoretische Teile gliedert. Als Beamtenanwärter erhalten Sie bereits in der Ausbildung ein Grundgehalt von knapp über 1.000 Euro. Zur Laufbahn gehören die Besoldungsgruppen A5 und A6. Im Rahmen von guter Leistung, Weiterbildungen und Beförderungen können Sie sich auch im Laufe Ihrer Karriere auf A8 hocharbeiten.

Das Grundgehalt in der Besoldungsgruppe A5 liegt in NRW 2016 bei knapp über 2.000 Euro. Hinzu kommen Zulagen, Freibeträge, Familienzuschlag sowie eine jährliche Sonderzahlung zu Weihnachten in Höhe von 60 Prozent eines Monatsgehalts. Attraktiv wird diese Bezahlung in der Justiz durch die Beihilfe. Hiermit trägt der Dienstherr einen Teil der Krankheitskosten für Sie und Ihre Familie. Wir kommen gleich wieder auf die Beihilfe zurück.

Mittlerer Dienst bietet Möglichkeit zum Quereinstig in den Gerichtsvollzieherberuf

Im mittleren Dienst der Justiz bieten sich Ihnen viele verschiedene Berufsoptionen, die vom Justizvollzugsdienst in einer JVA, IT-Berufen bis zur Sachbearbeitung als Justizfachwirt in der Verwaltung reichen. Zulassungsvoraussetzung ist ein Realschulabschluss oder ein Hauptschulabschluss mit einer der Laufbahn dienlichen abgeschlossenen Berufsausbildung. Damit gelingt dann auch der Quereinstieg als Justizvollzugsbeamter. Allerdings nicht auf dem Weg einer Umschulung, sondern immer einer weiteren Ausbildung.

Diese dauert je nach Bundesland und Laufbahn zwischen zwei und drei Jahren. Hier erhalten Sie bereits die sogenannten Anwärterbezüge als Ausbildungsvergütung. Die Ausbildung ist in praktische und theoretische Phasen aufgeteilt. Am Ende steht eine Laufbahnprüfung, die bei erfolgreichem Abschluss zur Übernahme als Beamter auf Probe führt. Je nach Abschluss und Laufbahn orientiert sich Ihre spätere Bezahlung an der Besoldungsgruppe A6 bis A9.

Eine Besonderheit bei der Mitarbeiterrekrutierung gibt es im Gerichtsvollzugswesen. Neue Mitarbeiter haben hier die Möglichkeit zum Quereinstieg auch mit kaufmännischem oder juristischem Berufsabschluss und einigen Jahren Berufserfahrung. Klassischerweise wechseln gern Justizfachwirte in den Vollstreckungsbereich, der für sie einen Aufstieg darstellt und eine bessere finanzielle Perspektive bedeutet. Einige Bundesländer können aber wohl nicht genügend Bewerber aus dem eigenen Justizdienst gewinnen und haben den Quereinstieg in den Gerichtsvollzieherberuf geöffnet.

Die Ausbildung im Vorbereitungsdienst wird bereits vergütet und dauert je nach Bundesland etwa zwei Jahre. Gerichtsvollzieher erhalten eine Besoldung nach A8 oder abhängig von ihren Resultaten auch A9 mit Zulagen. Attraktiv sind aber vor allem die Provisionen, die sie nach den Vollstreckungsgebührenordnungen erhalten. Gerichtsvollzieher arbeiten selbständig und erhalten Aufwendungen für den Unterhalt eines Büros und je nach Größe des Bezirkes auch Personalkosten für Gehilfen erstattet.

Quereinstieg in die Rechtspflege für weitere akademische Berufe in der Justiz

In den höheren Justizdienst gelangen klassischerweise nur Juristen mit dem zweiten Staatsexamen und der Befähigung zum Richteramt. Darüber hinaus beschäftigt die Justiz in den Bundesländern aber auch im gehobenen und höheren Dienst Absolventen anderer akademischer Berufe. So bilden die Justizbehörden Diplom-Rechtspfleger und Diplom-Verwaltungswirte in der Regel an den eigenen Fachhochschulen der Länder aus.

Die Bachelor-Studiengänge dauern in der Regel drei Jahre und werden ergänzt durch praktische Einsätze in Ämtern und Behörden. Voraussetzung für die Aufnahme ist die allgemeine Hochschulreife oder ein Fachabitur mit FH-Zulassung. Je nach Bundesland gilt ein unterschiedliches Höchstalter bei Aufnahme des Studiums, in Niedersachsen sind es beispielsweise  40 Jahre.

Es gibt auch für Vertreter weiterer akademischer  Berufe die Möglichkeit zum Quereinstieg in die Rechtspflege. Klassischerweise rekrutieren die Länder ihre Bewährungshelfer unter Sozialarbeitern und Vertretern anderer akademischer Sozialberufe. Diese können aber genauso wie Lehrer, Diplom-Psychologen oder Ärzte auch in den Justizvollzugsdienst gehen.

Sozialarbeiter erhalten dort eine Vergütung nach den Besoldungsgruppen A9 bis A13. Psychologen und Ärzten vergütet der Dienstherr den Einsatz nach A13 bis A16. Bis zur Verbeamtung auf Lebenszeit stehen die akademischen Mitarbeiter im Justizvollzug zwei bis drei Jahre in einem befristeten Dienstverhältnis.

Die Beihilfe: Attraktiver Gehaltsbestandteil mit den Vorteilen des Privatpatienten

Der Quereinstieg in die Rechtspflege und den Justizvollzug ist an das Erfüllen bestimmter Zulassungsvoraussetzungen geknüpft und grundsätzlich bis zu einem länderabhängigen Höchstalter möglich. Informationen bietet Ihnen das zuständige Justizministerium auf dem jeweiligen Justizportal. Als angehender Beamter erhalten Sie ab dem ersten Tag Ihrer Arbeit für die Justiz Beihilfe. Damit übernimmt der Dienstherr einen Teil Ihrer Krankheitskosten. In der Regel zahlt der Dienstherr 50 Prozent für Sie sowie bis zu 70 Prozent für Ihre beihilfeberechtigten Angehörigen.

Die verbleibenden Kosten müssen die Beamten selber versichern. Am günstigsten ist dies für Sie mit einer privaten Krankenversicherung (PKV). Denn nur die PKV bietet Ihnen als Beamter eine sogenannte Restkostenversicherung. Gesetzliche Krankenversicherungen haben nur Vollkostenversicherungen, in denen auch Beamte dann den vollen Beitragssatz, also den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberbeitrag in voller Höhe, selber zahlen.

Wenn Sie wissen möchten, welche Ansprüche Sie bei dem Quereinstig in die Justiz haben, besuchen Sie den Beihilferatgeber. Über den Beihilferechner können Sie genau berechnen, wie viel Beihilfe Ihnen und Ihrer Familie zusteht und was Sie eine Restkostenversicherung bei der Continentale kostet.

Letzte Aktualisierung: 29.08.2016




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