So gelingt der Quereinstieg bei der Polizei

Nach vielen Jahren der Sparsamkeit investieren Bund und Länder wieder in ihre Polizei. Die Sicherheitslage führt zu Neueinstellungen. Auch Seiteneinsteiger haben aktuell gute Chancen, den Quereinstieg bei den Landespolizeiämtern, einem Landeskriminalamt oder der Bundespolizei zu schaffen. Allerdings gibt es keine Umschulung, um in den Polizeidienst zu kommen. Beste Chancen haben Sie als junger Akademiker und Handwerker sowie Techniker mit Berufserfahrung, wenn Sie eine Zweitausbildung anstreben.

Was gilt für Sie?
Hier erfahren Sie:
  • Was die Beihilfe für Sie und Ihre Angehörigen zahlt
  • Was Sie mit einer Restkostenversicherung absichern müssen
  • Was eine Restkostenversicherung der Continentale kostet

Als Quereinsteiger bei der Polizei müssen Sie abhängig von der Laufbahn unterschiedliche Voraussetzungen erfüllen. Für den mittleren Polizeidienst haben die meisten Bundesländer ein Höchstalter festgelegt. In Sachsen Anhalt liegt dieses mit 24 Jahren am niedrigsten. Thüringen und Schleswig-Holstein stellen im mittleren Dienst auch noch Kandidaten ein, die sich im 31. Lebensjahr befinden. Im mittleren Dienst brauchen Seiteneinsteiger eine abgeschlossene Berufsausbildung. Einige Länder erwarten ergänzend auch noch einen Meistertitel. Nordrhein-Westfalen und praktisch auch Hessen nehmen im mittleren Polizeidienst keine Kandidaten mehr auf.

Im gehobenen Dienst liegt das Eintrittsalter in Bremen bei 25, in Hamburg sogar bei 34 Jahren. Polizeianwärter brauchen mindestens die Fachhochschulreife. Für den Einstieg in den höheren Dienst müssen Sie als Bewerber ein abgeschlossenes Studium vorweisen. Besonders beliebt ist ein Jura-Studium mit zweitem Staatsexamen. Solche Juristen im Polizeidienst bearbeiten Disziplinarverfahren, Personenschäden und Sachbeschädigungen sowie Unfälle.

Manche Länder lassen aber auch Kandidaten in den gehobenen Dienst, wenn sie nur das erste Staatsexamen bestanden haben. Dann durchlaufen sie in der Regel eine Ausbildung für die Kriminalpolizei. BWLer haben gute Chancen bei den Dezernaten zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität. Im mittleren Dienst haben in einigen Bundesländern Kraftfahrzeugmechatroniker-Meister, Telekommunikations- und IT-Berufe gute Chancen.

Keine Umschulung – sondern zweite Ausbildung und Weiterbildungen zum Aufstieg

Für jede Laufbahngruppe bietet die Polizei spezielle Ausbildungswege, die Sie auch als Quereinsteiger absolvieren müssen. Programme für eine Umschulung sind bisher nicht im Angebot. Im mittleren Dienst müssen Kandidaten eine zwei- bis dreijährige Grundausbildung durchlaufen, die teilweise an einer Polizeiakademie und teilweise in Polizeiämtern und -revieren im Polizeivollzugsdienst stattfindet. Im gehobenen Dienst dauert die Ausbildung ebenfalls drei Jahre, findet aber an Fachhochschulen der Polizei sowie im Wechsel bei Dienststellen der Kriminalpolizei statt.

Im höheren Dienst sind Polizeianwärter mit abgeschlossenem ersten Staatsexamen oder Master-Abschluss zunächst im Vorbereitungsdienst. Für sie bietet die Polizei Verwaltungspositionen in einem Polizeipräsidium oder einem Landeskriminalamt an. In praktisch allen Laufbahngruppen bietet Ihnen die Polizei Aufstiegschancen durch Weiterbildung.

Einstellungsvoraussetzungen: Keine Vorstrafen, guter Leumund, keine Schulden

Im Polizeidienst und bei der Kriminalpolizei sowie bei der Bundespolizei haben nur Kandidaten mit einer absolut sauberen Weste eine Chance. Selbst eingestellte und laufende Ermittlungen in Bagatellsachen sind bei einer Bewerbung anzugeben. Liegt bereits eine gerichtliche Verurteilung vor, ist dies ein Versagungsgrund. Ebenso genau prüfen die Polizeibehörden die Verfassungstreue. Kandidaten, die in ihrer Vergangenheit bei einer rechts- oder linksradikalen Gruppierung waren, werden abgelehnt.

Ebenso geprüft werden die gesundheitlichen (Polizeidiensttauglichkeitsbescheinigung) und wirtschaftlichen Verhältnisse. Hochverschuldete oder Bewerber mit einer Privatinsolvenz stellt die Polizei nicht ein. Des Weiteren müssen die Bewerber deutsche Staatsbürger sein; in einigen Bundesländern nehmen die Behörden auch EU-Bürger, die länger als fünf Jahre ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland hatten.

Auf die Noten in Abschlusszeugnissen achten die Rekrutierer der Polizeibehörden einiger Länder. In den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathe sollten Kandidaten nicht schlechter als eine Schulnote 4 haben. In manchen Ländern darf der Notendurchschnitt nicht schlechter sein als 2,5 oder 3 in den Kernfächern; manche Länder erwarten mindestens sechs Jahre Englischunterricht. Großen Wert legen die Behörden auf einen Führerschein Klasse B sowie die körperliche Fitness.

Einstellungstests prüfen Sportleistungen und psychische Gesundheit

Die meisten Bundesländer stellen nur Bewerber mit einer Köpergröße von mindestens 1,60 Meter ein; Sachsen und Hamburg nehmen nur Bewerber ab 1,65 Meter. Um zu einem Einstellungstest eingeladen zu werden, müssen die Kandidaten zunächst eine schriftliche Bewerbung einreichen, was bei den meisten Polizeibehörden mit den üblichen Unterlagen bereits online geschehen kann. Alle Bundesländer und der Bund informieren auf Bewerberportalen im Internet ausführlich, welche Unterlagen einzureichen sind. Einige Bundesländer bieten vor der Bewerbung an, dass sich Kandidaten mit Einstellungsberatern austauschen können.

In der nächsten Stufe erhalten die besten Kandidaten eine Einladung zum Eignungsauswahlverfahren. Dieses findet in der Regel an zwei Tagen in einer Landespolizeiakademie statt. Es ist meistens vierstufig, beginnt mit einem Computertest, einem Sporttest, einer Gruppenaufgabe und Einzelinterviews. In fast allen Bundesländern gibt es Lehrbücher, die Bewerber auf diese anstrengenden Prüfungen vorbereiten. Besonders an den Sportprüfungen scheitern viele Kandidaten. Dieses Eignungsverfahren können Sie nicht wiederholen. Einmal durchfallen bedeutet also das vorzeitige Aus.

Sicherer Beruf mit solidem Verdienst und Beihilfe für die Krankheitskosten

Polizeianwärter erhalten vom ersten Tag an eine Ausbildungsvergütung von etwas mehr als 1.000 Euro und sind beihilfeberechtigt. Je nach Laufbahn liegen die Jahresgehälter eines ausgebildeten Polizeibeamten zwischen 28.000 und 66.000 Euro pro Jahr. Auch wenn dieses Salär wenig klingt, hat Vater Staat für seine Diener aber noch einen attraktiven Extrabestandteil zum Sold. Die Beihilfe. Mit der Beihilfe übernimmt der Dienstherr 50 Prozent der Krankheitskosten.

Die verbleibenden 50 Prozent müssen die Polizeianwärter mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) abdecken. Zwar dürfen Beamte auch in einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert bleiben; dann zahlt aber die Beihilfe nicht, weil die GKV immer nur eine Vollkostenversicherung anbietet und damit 100 Prozent der medizinisch notwendigen Kosten übernimmt. Nur die PKV bietet die sogenannte Restkostenversicherung, die also komplementär zur Beihilfe nur 50 Prozent übernimmt und daher auch viel günstiger als eine gesetzliche Krankenversicherung ist.

Sonderfall Heilfürsorge

In der Hälfte der Bundesländer und bei der Bundespolizei gibt es während der aktiven Dienstzeit sogar die sogenannte freie Heilfürsorge. Hierbei trägt der Dienstherr die kompletten Krankheitskosten. Beamte mit Heilfürsorgeanspruch müssen also keine private Restkostenversicherung abschließen. Aber im Ruhestand beziehen sie nur noch die Beihilfe und müssen dann 30 Prozent der Krankheitskosten selber zahlen und versichern. Deswegen sollten Sie als Heilfürsorgeberechtigter unbedingt eine Anwartschaftsversicherung abschließen. Ohne diese kann es sein, dass Sie nach ihrer Dienstzeit von keiner Krankenversicherung mehr aufgenommen werden.

Denn für den Eintritt in eine private Krankenversicherung müssen Sie eine Gesundheitsprüfung (Risikoprüfung) bestehen. Bei älteren Menschen kann dies schwierig sein: Die private Krankenversicherung kann sie beispielsweise wegen Vorerkrankungen ablehnen oder Risikozuschläge verlangen. Junge Leute bestehen die Gesundheitsprüfung meistens. Für die Anwartschaftsversicherung wird das Untersuchungsergebnis „eingefroren“. Wenn also Jahrzehnte später, wenn Sie nur noch Beihilfe erhalten, Ihre Krankenversicherung in Kraft tritt, müssen Sie keine Gesundheitsprüfung mehr bestehen.

Fazit

Die Bundespolizei, die Landeskriminalämter sowie die Polizeidienststellen und Dezernate bieten spannende Berufe für Seiteneinsteiger mit viel Abwechslung. Als Bewerber sollten Sie körperlich und seelisch robust sein, um den Stress und die Belastungen im Polizeidienst gut verarbeiten zu können. Neben einem sicheren Gehalt besteht mit der Beihilfe ein attraktiver Zusatzschutz, der auch für Eheleute und Kinder gilt.

Wenn Sie genau wissen wollen, welche Regelungen in Ihrem Bundesland gelten, besuchen Sie den Beihilferatgeber. Hier finden Sie ebenfalls ausführliche Informationen über die Heilfürsorge, die einige Bundesländer für die Polizei als erweiterte Beihilfe gewähren, sowie die Anwartschaftsversicherung. Berechnen Sie mit dem Beihilferechner, wie hoch Ihr Beihilfeanspruch ist und was Ihre persönliche Restkostenversicherung bei der Continentale kostet.

Letzte Aktualisierung: 30.08.2016




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