Einstellungsvoraussetzungen für einen Proberichter

Das Faszinierende am Richterberuf ist die Tatsache, dass ein Richter in seinen Entscheidungen unabhängig ist: Er hat Sachverhalte ohne Einflussnahme von außen und ohne wirtschaftlichen Zwang so zu beurteilen, wie es Recht und Gesetz erfordern. Aufgrund des streng geregelten Zugangs, des hohen gesellschaftlichen Ansehens und der guten Verdienstmöglichkeiten im Staatsdienst gehört der Beruf des Richters zweifellos zu den attraktivsten überhaupt. Doch welche Voraussetzungen genau müssen angehende Juristen erfüllen, um Proberichter werden zu können?

Was kostet Ihre Krankenversicherung?
Hier erfahren Sie:
  • Was die Beihilfe für Sie und Ihre Angehörigen zahlt
  • Was Sie mit einer Restkostenversicherung absichern müssen
  • Was eine Restkostenversicherung der Continentale kostet

Welche Einstellungsvoraussetzungen gelten für einen Proberichter?

Wie jeder Volljurist durchlaufen auch angehende Richter eine juristische Ausbildung, die am Ende des Studiums mit Bestehen des Ersten juristischen Staatsexamens und nach weiteren zwei Jahren Referendariat mit dem Zweiten juristischen Staatsexamen abschließt. Reelle Chancen auf einen Berufseinstieg als Proberichter dürfen sich allerdings nur etwa fünf Prozent der Besten eines juristischen Absolventenjahrgangs machen. Die Anzahl der Neuberufungen schwankt je nach Bedarf der Amts- und Landgerichte. Dagegen ist für eine Zulassung als Rechtsanwalt lediglich das Bestehen der beiden Staatsexamina notwendig.

Die Einzelheiten des Zugangs zur Richtertätigkeit regelt das Deutsche Richtergesetz (DRiG). Aktuell sind in ganz Deutschland etwa 20.000 Richter aktiv: Die Zahl macht deutlich, dass es sich bei der beruflichen Richtertätigkeit um eine recht exklusive „Veranstaltung“ handelt. Das zeigt sich auch im Vergleich mit der Anzahl an Rechtsanwälten – es sind immerhin fast 150.000.

Die Einstellungsvoraussetzungen für Proberichter sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt – weshalb es auch kein einheitliches Verfahren gibt. Das betrifft die Einstellungstermine, die Bewerbungsfristen und das Auswahlverfahren ebenso wie die Zuständigkeit. Einige Bundesländer schreiben Stellen für Proberichter aus, bei anderen ist eine Bewerbung jederzeit möglich. Selbst bei den einzureichenden Bewerbungsunterlagen sind die Anforderungen unterschiedlich.

TIPP: Am besten informieren Sie sich direkt bei den jeweiligen Bundesländern, die für Sie infrage kommen, welche Einstellungsvoraussetzungen gelten, wenn Sie als Proberichter in den Staatsdienst eintreten möchten!

Welche persönlichen Eigenschaften sollte ein Proberichter mitbringen?

Die juristische Exzellenz macht jedoch nur einen Teil der Einstellungsvoraussetzungen aus. Was darüber hinaus von fundamentaler Bedeutung für den Richterberuf ist, ist die persönliche Eignung. Soziale Kompetenz und kommunikative Stärke sind hier an erster Stelle zu nennen. Ein Richter muss ein ausgleichendes Wesen besitzen, aber auch standfest sein und sich behaupten.

Die ehrliche Selbstbetrachtung liefert hierfür Anhaltspunkte: „Bin ich in der Lage, zwischen Parteien mit widerstreitenden Ansichten erfolgreich zu vermitteln und ‚Rechtsfrieden‘ herzustellen?“ Wer sich privat – innerhalb der Familie oder unter Freunden – schon des Öfteren als guter Streitschlichter bewährt hat, darf dies als Indiz nehmen, dass ihm der Richterberuf liegen wird.

Die Auswahlentscheidung als wichtigste Hürde

Erfüllt ein Bewerber für ein Amt als Proberichter die formellen Einstellungsvoraussetzungen, erhält er eine schriftliche Einladung zu einem Auswahlgespräch. Solch ein Auswahlgespräch ist – von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich – entweder ein Einzelgespräch mit dem Antragsteller oder ein Gruppentermin mit mehreren Bewerbern.

Während in einigen Bundesländern das Auswahlgespräch also in kleiner Runde vonstattengeht, ist in anderen eine Vielzahl von Personen involviert. Einer solchen Auswahlkommission können beispielsweise in Nordrhein-Westfalen angehören: der Präsident oder der Vizepräsident des Oberlandesgerichts, ein Behördenleiter eines der Präsidialgerichte, der Personaldezernent, der Gleichstellungsbeauftrage und ein Mitglied des Bezirksrichterrats.

Bei der Auswahlentscheidung stehen übrigens nicht die juristischen Fähigkeiten im Vordergrund – denn diese hat der Bewerber mit seinen Examensnoten hinreichend bewiesen. Vielmehr geht es um die ergänzenden Einstellungsvoraussetzungen, speziell die persönliche Eignung und die soziale Kompetenz, die anhand von Fragen oder mit kleinen Rollenspielen getestet werden.

So geht es dann weiter: Ausbildung eines Proberichters

Wer zu den Glücklichen gehört, die die Auswahlkommission von ihrer Eignung überzeugen konnten, den erwartet nun eine drei- bis fünfjährige Ausbildung als „Richter auf Probe“ mit zahlreichen Stationswechseln. Je nach Bundesland ist für den Proberichter vorgesehen, nicht nur bei Gerichten, sondern darüber hinaus bei der Staatsanwaltschaft oder im Strafvollzugsdienst tätig zu sein. Der Proberichter soll verschiedene Rechtsbereiche und Gerichte kennenlernen

Ein hohes Maß an Flexibilität ist dazu unbedingt erforderlich. Der Vorteil für den Proberichter besteht darin, dass ihm die Auswahl desjenigen Gerichts leichter fallen dürfte, bei dem er sich später um eine Stelle auf Lebenszeit bewirbt. Im Anschluss an die Probezeit erfolgt schließlich die Berufung zum Richter auf Lebenszeit. Zuständig für die Berufung ist – zumindest in einigen Bundesländern – ein Richterwahlausschuss, dem unter anderem auch einige Abgeordnete des jeweiligen Landesparlamentes angehören.

Eine Besonderheit gilt für die Fachgerichtsbarkeit: Wer als Richter an einem Arbeits-, Verwaltungs-, Finanz- oder Sozialgericht arbeiten möchte, sollte darüber hinaus besondere Fachkenntnisse vorweisen können. Ideal sind eine erfolgreich bestandene Prüfung zum Fachanwalt in diesen Rechtsgebieten sowie ein paar Jahre Berufspraxis. Allerdings sollte der junge Aspirant die Altersbeschränkungen nicht aus dem Blick verlieren, die für den Einstieg als Proberichter gelten. In vielen Bundesländern sollten Sie nicht älter als 35 Jahre sein.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag über „Die Private Krankenversicherung für Probe-Richter und Assessoren“.

Letzte Aktualisierung: 31.05.2017




Gewünschte Information nicht gefunden?
Schauen Sie in unser Glossar
In unseren Glossartexten erläutern wir für Sie ein paar Grundbegriffe rund um unser Gesundheitssystem und FachBeihilfebegriffe, die immer wieder in unseren Texten auftauchen. Beihilferatgeber-Glossar