Das Rechtsreferendariat: Wahlstation für Verwaltungskarriere nutzen

Der Staat ist ein attraktiver Arbeitgeber. 32 Prozent der aktuell Studierenden wollen Beamte werden, fand das Beratungsunternehmen EY im August 2016 heraus. Aber nur knapp 15 Prozent der Jurastudenten werden Richter oder Staatsanwälte. Für angehende Juristen mit erstem Staatsexamen gibt es aber Alternativen in Bund, Ländern und Gemeinden. Hier erfahren Sie, wie Sie Ihre Verwaltungs- und Wahlstation im Rechtsreferendariat so gestalten, dass Sie eine Karriere in der Verwaltung starten können.

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Das Referendariat für Jurastudenten soll den angehenden Volljuristen auf seine künftigen Arbeits- und Einsatzgebiete vorbereiten. Im weiterhin gültigen Idealbild sollen Sie die „Befähigung zum Richteramt“ erwerben. Aber dafür sind in den meisten Bundesländern 8,5 Punkte im zweiten Staatsexamen notwendig; je nach Anzahl noch besserer Bewerber müssen es sogar glatte 9 Punkte sein. Anders als früher ist es für Sie möglich, eine schlechtere Note im ersten durch eine gute im zweiten Staatsexamen vollständig auszugleichen.

Für Volljuristen mit weniger Punkten hat der Staat aber dennoch großen und sogar steigenden Bedarf. Denn auch Bund, Länder und Kommunen, die Sozialversicherungen, Finanzämter, große Ämter und Behörden wie die BA oder das BAMF stellen Volljuristen im gehobenen Dienst ein. Hier bieten sich Ihnen bereits im Referendariat attraktive Alternativen, die Sie optimal auf eine Verwaltungskarriere vorbereiten.

Ablauf und Gestaltung: Praxiseinsätze und Arbeitsgemeinschaften

Das Rechtsreferendariat unterscheidet sich maßgeblich von anderen Referendariaten wie etwa dem von Lehrern. Für die Dauer von zwei Jahren haben Sie es in der Hand, sich zu spezialisieren. In der Regel verbringen Sie nur zwei bis drei Tage pro Woche in Ihrer Station; in der restlichen Zeit nehmen Sie an Arbeitsgemeinschaften teil und lernen für das zweite Staatsexamen.

Sie haben also auch Zeit für den Besuch von Repetitorien. Referendare, die später als Anwalt tätig sein wollen, arbeiten häufig für einen oder zwei Tage in einer Kanzlei. Diese Nebentätigkeit muss allerdings genehmigt sein. Die Genehmigung erhalten Sie in der Regel nur, wenn Sie im ersten Staatsexamen mindestens sieben Punkte erreicht haben.

Insgesamt müssen Sie fünf Stationen durchlaufen: Zivil- und Strafrechtsstationen absolvieren Sie bei Zivil- beziehungsweise Strafgerichten. Bei den Strafgerichten können Sie auch zur Staatsanwaltschaft. Sie werden einem ausbildenden Richter oder Staatsanwalt zugewiesen. Da diese Richter Sie beurteilen werden, sollten Sie sich gut mit ihnen stellen.

Die Verwaltungsstation findet in der Verwaltung statt oder bei einem Verwaltungsgericht. In einigen Bundesländern sind es die Bezirksämter, die die Verwaltungsstationen durchführen. Für die Anwaltsstation suchen Sie sich eine Kanzlei. Nach der Anwaltsstation legen Sie je nach Bundesland das schriftliche, nach der Wahlstation das mündliche zweite Staatsexamen ab. In einigen Bundesländern können Sie auch die Reihenfolge der Stationen tauschen.

Auf die Wahl der Gerichtsstationen haben Sie eher weniger Einfluss. Aber bei der Anwalts-, Verwaltungs- und Wahlstation sollten Sie sich reiflich überlegen, wo sie sich bewerben. Warten Sie insbesondere in den großen Flächenbundesländern zunächst ab, in welchen Gerichtsbezirk Sie zugeteilt werden. Aber dann gilt: Bewerben Sie sich frühzeitig und bei mehreren möglichen Stellen. Ob Sie Ihre erste Wahl tatsächlich erhalten, hängt wie bei anderen Jobs von den Noten sowie Ihren persönlichen Eigenschaften, aber auch von Ihren Rechtsgebieten ab, die Sie im Studium besonders intensiv bearbeitet haben.

Spezialisierung schon im Hauptstudium beginnen

Eine Beamtenkarriere als Volljurist im Staatsdienst – in einer Behörde, einem Finanzamt oder einem Ministerium – fängt im Grunde bereits im Hauptstudium mit der Wahl der Vorlesungen, Praktika und Nebenjobs an. Grundsätzlich sollten Sie den gesamten Kanon des öffentlichen Rechts, also vor allem des Verwaltungs-, Verfassungs-, Europa- und Völkerrechts bearbeiten und dort mit überdurchschnittlichen Noten abschließen.

Wenn Sie wissen, dass Sie in ein Finanzamt streben, setzen Sie frühzeitig Ihren Schwerpunkt im Steuerrecht. Suchen Sie sich auch unbedingt bei Behörden Praktikumsstellen; so knüpfen Sie bereits Kontakte, die Ihnen später bei der Verwaltungs- und Wahlstation nützlich sind.

Und dafür werden Sie vom Staat bezahlt – das Gehalt im Rechtsreferendariat

Bis vor wenigen Jahren wurden Rechtsreferendare noch als Beamte auf Probe berufen. Außer Thüringen sind die Bundesländer dazu übergegangen, Rechtsreferendare nur noch in ein öffentlich-rechtliches Sonderausbildungsverhältnis zu bestellen. Für diese Zeit erhalten Sie eine sogenannte Unterhaltsbeihilfe.

Die variiert je nach Bundesland zwischen 950 Euro in Hamburg und 1.252 Euro in Brandenburg. Je nach Familienstand und Anzahl der Kinder gewährt der Staat Zulagen. Dieses „Gehalt“ soll sicherstellen, dass der angehende Volljurist sich vollständig auf die Stationen und die Vorbereitung des zweiten Staatsexamen konzentrieren kann. Jede Nebentätigkeit müssen Sie bei Ihrem zuständigen Justizprüfungsamt beantragen. Je nach Höhe der Vergütung wird der Nebenverdienst in einigen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen mit der Unterhaltsbeihilfe verrechnet.

Während Ihres Rechtsreferendariates sind Sie Pflichtmitglied in der gesetzlichen Kranken-, Renten, Pflege- und Arbeitslosenversicherung Von Ihrer Unterhaltsbeihilfe führt der Arbeitgeber, in der Regel das Justizministerium Ihres Landes, die Lohnsteuer sowie Beiträge zur Sozialversicherung ab.

Privat oder gesetzlich krankenversichert – das ist eine Frage der Karriereplanung

Während des Studiums sind Sie vermutlich noch über Ihre Eltern in deren Krankenversicherung mitversichert. Mit Beginn Ihres Rechtsreferendariats müssen Sie sich selber eine der gesetzlichen Krankenversicherungen oder eine Ersatzkasse aussuchen.

Nach dem zweiten Staatsexamen sollten Sie sich dann erneut um die Krankenversicherung kümmern. Wenn Sie eine Bestellung als Richter oder Staatsanwalt oder zu einer sonstigen Funktion als Beamter erhalten, sollten Sie sich eine Private Krankenversicherung (PKV) suchen. Auch solche Referendare, die damit rechnen dürfen, dass sie aufgrund ihrer Kontakte und Noten in einer internationalen Großkanzlei oder einem Konzern ein außertarifliches Gehalt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenzen der Sozialkassen erhalten werden, sollten in die PKV.

Beihilfe und PKV sind das ideale Gespann

Beamte erhalten nach Übernahme in den Staatsdienst nicht nur eine Besoldung, sondern auch die Beamtenbeihilfe. Mit dieser übernimmt der Dienstherr 50 Prozent der Krankheitskosten für den Beamten selbst sowie bis zu 70 Prozent für die Familie.

Beamte hätten in der GKV den Nachteil, dass die Beihilfe praktisch nichts leisten würde. Denn die GKV bietet nur eine Vollkostenversicherung, deren Kosten sich bei normalen Angestellten der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer teilen. Ein Beamter in der GKV hingegen muss alles allein bezahlen, erhält eine medizinische Versorgung nach GKV-Standard und hat seinen Beihilfeanspruch verwirkt.

Anders sieht es mit der PKV an. Private Krankenversicherungen bieten spezielle Beamtentarife mit einer sogenannten Restkostenversicherung an. Diese Art der Krankenversicherung sichert nur denjenigen Anteil an den Krankheitskosten ab, den die Beihilfe nicht übernimmt. Die Beiträge liegen oftmals um mehr als 50 Prozent unter denen der GKV. Die Beihilfe und die PKV mit der passgenauen Restkostenversicherung sind also das ideale Gespann.

Jetzt Beihilfeanspruch und Tarif bei der Continentale berechnen

Weitere Informationen zur Beihilfe und zum Referendariat finden Sie auf Beihilferatgeber.de. Wenn Sie wissen möchten, was in Ihrem Bundesland gilt, sollten Sie jetzt mit dem Beihilferechner ermitteln, wie hoch Ihr Beihilfeanspruch in Ihrem Bundesland ist. Und ganz nebenbei erfahren Sie auch, was Ihre Restkostenversicherung bei der Continentale kostet.

Letzte Aktualisierung: 22.09.2016




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