Das Lehramtsreferendariat: Was Sie unbedingt vorher wissen sollten

Nach dem Studium folgt die zweite Phase der Lehrerausbildung: das Referendariat. Wie es abläuft, was Sie in der Zeit verdienen und worüber Sie ansonsten Bescheid wissen sollten, erklärt Beihilferatgeber.de.

Was gilt für Sie?
Hier erfahren Sie:
  • Was die Beihilfe für Sie und Ihre Angehörigen zahlt
  • Was Sie mit einer Restkostenversicherung absichern müssen
  • Was eine Restkostenversicherung der Continentale kostet

Nach dem Studium und bevor Sie Ihre erste Stelle als Lehrer antreten können, müssen Sie einen Vorbereitungsdienst leisten. Dieser praktische Teil Ihrer Ausbildung wird Referendariat genannt. Zuständig für die Lehrerausbildung sind die einzelnen Bundesländer. Deshalb sind die Detailvorschriften des Schulrechts zwischen Kiel und Konstanz höchst unterschiedlich. Das fängt schon bei den Ausbildungsbehörden an, den „Arbeitgebern“ der Referendare, die in jedem Land unterschiedlich sind.

Die Voraussetzungen für eine Referendarstelle

Die Grundvoraussetzungen für das Referendariat sind allerdings überall gleich. Die wichtigste: Sie müssen die Erste Staatsprüfung für das Lehramt erfolgreich abgelegt haben. Nach den durch den Bologna-Prozess ausgelösten Studienreformen haben einige Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen schon umgestellt: Nun wird auch der Master of Education (MEd) als Nachweis der fachlichen Eignung anerkannt. Da in den meisten Bundesländern Lehramtsanwärter als Beamte auf Widerruf eingestellt werden, müssen Sie außerdem alle Voraussetzungen erfüllen, die das Beamtenrecht für die Ernennung zum Beamten vorsieht. Dazu müssen die Bewerber Deutsche sein oder die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedsstaates besitzen. Zudem müssen Sie sich zum Grundgesetz bekennen und jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten. Darüber hinaus müssen Sie auch gesundheitlich geeignet sein. Ebenso ist die charakterliche Eignung für die Beamtenlaufbahn nachzuweisen; deshalb müssen Bewerber in der Regel auch ein Führungszeugnis vorlegen.

Für eine Referendarstelle müssen Sie sich bewerben. Bayern liefert die notwendigen Unterlagen gleich mit der Anmeldung zur Staatsprüfung mit. Andere Länder haben inzwischen Online-Bewerbungsverfahren eingeführt. Egal ob traditionell oder digital: Die notwendigen Informationen halten die Kultusministerien der Bundesländer auf ihren Internetseiten bereit.

Das verdienen Sie als Lehramtsanwärter

Was Referendare verdienen, hängt nicht nur von der Schulform ab. Seit der Föderalismusreform 2006 sind die Bundesländer zuständig für die Besoldung ihrer Beamten. Deshalb fallen die Bezüge für Referendare sehr unterschiedlich aus. Wer zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern sein Referendariat an der Grundschule absolviert, kann mit 1.094,29 Euro monatlich rechnen, ein Referendar an einem Gymnasium in Baden-Württemberg mit 1.296,46 Euro. Zuschläge gibt es für verheiratete Beamte und Kinder.

Von ihren Bezügen werden Lohn- und eventuell Kirchensteuer abgeführt. Zudem sind die meisten Referendare als Beamte auf Widerruf nicht in einer gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Sie haben Anspruch auf Beihilfe. Darüber erstattet der Dienstherr zwischen 50 und 80 Prozent der Kosten im Krankheitsfall für den Beamten und seine beihilfeberechtigten Angehörigen. Den Rest müssen Sie über eine private Krankenversicherung abdecken – eine sogenannte Restkostenversicherungen. Einige private Krankenversicherungen (PKV) bieten dafür günstige, speziell für Lehramtsanwärter zugeschnittene Tarife an.

So läuft das Referendariat ab

Was genau Sie während des Referendariats erlernen, hängt von der jeweiligen Schulform ab: Grundschule, Haupt- oder Mittelschule, Realschule, Gymnasium oder berufsbildende Schule. Jedes Bundesland gestaltet Inhalte und Ablauf selbst. Sie unterscheiden sich daher in vielen Punkten. Im Kern allerdings orientieren sich alle an den gemeinsamen Standards der Kultusministerkonferenz (KMK) für die Lehrerausbildung.

In der Regel dauert der Vorbereitungsdienst zwei Jahre. Viele Bundesländer haben das Lehramtsreferendariat allerdings inzwischen verkürzt. So dauert die zweite Ausbildungsphase in vielen Bundesländern nur 18 Monate (zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen), in einigen wenigen sogar nur zwölf Monate (zum Beispiel in Sachsen). Wie lange das Referendariat in Ihrem Bundesland dauert, erfahren Sie auf den Seiten der Kultusministerien.

Der Vorbereitungsdienst ist in den meisten Bundesländern in drei Phasen gegliedert. In der ersten Phase, der sogenannten Hospitation, begleitet der Referendar einen Lehrer. In einer zweiten Phase unterrichtet er bereits – allerdings in Anwesenheit des Ausbildungslehrers. Erst in der dritten Phase gibt er eigenverantwortlichen Unterricht, den er selbst vorbereitet und gestaltet. Wie viele Stunden eigenverantwortlicher Unterricht wöchentlich geleistet werden müssen, ist von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. In Schleswig-Holstein zum Beispiel sind es zehn Stunden wöchentlich, in Sachsen bis zu zwölf.

Achtung, Unterrichtsbesuche!

Während des eigenverantwortlichen Unterrichts finden sogenannte Unterrichtsbesuche statt, in denen sich die Seminarlehrer von den Fortschritten des Lehramtsanwärters überzeugen. Die Anzahl der Unterrichtsbesuche variiert von Bundesland zu Bundesland. In Berlin zum Beispiel sind in den ersten beiden Ausbildungshalbjahren jeweils zwei Unterrichtsbesuche, im letzten nur noch einer pro Fach vorgesehen. In Bayern, wo der Vorbereitungsdienst nach wie vor zwei Jahre dauert, sind in allen vier Halbjahren jeweils zwei Unterrichtsbesuche pro Fach vorgesehen, insgesamt also acht. Direkt benotet werden die Visiten zwar nicht. Im Vordergrund stehen die gemeinsame Reflexion und die Beratung. Dennoch sollten Sie die Unterrichtsbesuche ernst nehmen: Ihre Seminarlehrer sollen Ihre Kompetenzen als Lehrer beurteilen und machen sich ihr Bild während der Visiten.

Am Ende des Referendariats steht die Zweite Staatsprüfung für das Lehramt. Wer sie beim ersten Anlauf nicht besteht, bekommt nach einigen Monaten eine zweite Chance. Mit Bestehen oder endgültigem Nichtbestehen dieser Laufbahnprüfung endet das Beamtenverhältnis auf Widerruf. Erst wenn Sie Ihre erste Stelle als Lehrer antreten, können Sie auf eine erneute Verbeamtung hoffen – wenn auch zunächst auf Probe.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Für das Referendariat sind die Länder zuständig.
  • Voraussetzung ist die Erste Staatsprüfung für das Lehramt oder ein Master of Education.
  • Je nach Bundesland dauert der Vorbereitungsdienst ein bis zwei Jahre.
  • Die Besoldung von Referendaren fällt je nach Schulform und Bundesland unterschiedlich aus.
  • Mit bis zu zwei Unterrichtsbesuchen pro Fach und Halbjahr müssen Referendare rechnen.
  • Am Ende des Referendariats steht die Zweite Staatsprüfung als Laufbahnprüfung.

Letzte Aktualisierung: 07.12.2015




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