Vorsorgliche Entfernung der Brustdrüsen

Beihilfe zahlt bei erhöhtem Brustkrebsrisiko

19.12.2017 | Bei einem erhöhten Brustkrebsrisiko beteiligt sich die Beihilfe an den Kosten für die Brustdrüsenentfernung. Erfahren Sie hier mehr.

Beamtinnen mit individuell erhöhtem Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, können aufatmen: Das Bundesverwaltungsgericht hat jüngst entschieden, dass die konkrete Gefahr einer schweren Erkrankung ausreiche, um das Vorliegen einer Krankheit im beihilferechtlichen Sinne zu begründen. Eine aktuelle Funktionsbeeinträchtigung müsse hierbei nicht gegeben sein. Bei erhöhtem Brustkrebsrisiko muss sich die Beihilfe daher an den Kosten einer vorsorglichen Entfernung der Brustdrüsen beteiligen (Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 28. September 2017, Az.: BVerwG 5 C 10.16).

Verhandelt wurde der Fall einer 1975 geborenen hessischen Landesbeamtin mit zwei Verwandten in direkter mütterlicher Linie, die bereits an Brustkrebs erkrankt waren. Bei der Beamtin liegt eine BRCA2-Genmutation vor, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko mit sich bringt. Ärztlicherseits ist sie deshalb als Hochrisikopatientin eingestuft gewesen – mit einem Erkrankungsrisiko von 80 Prozent. Vorsorglich hatte sich die Beamtin daher entschlossen, ihre Brustdrüsen operativ entfernen und nachfolgend eine Implantat-Rekonstruktion durchführen zu lassen.

Eine Kostenbeteiligung lehnte ihr Dienstherr, das Bundesland Hessen, jedoch ab. Die Beamtin klagte und bekam in zwei Instanzen Recht. Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sache dennoch an die Berufungsinstanz, den Verwaltungsgerichtshof Kassel zurückverwiesen, da dessen Feststellungen für die wertende Gesamtbetrachtung nicht ausreichend seien. Das Berufungsgericht hatte in der Urteilsbegründung lediglich ausgeführt, dass der beihilferechtliche Krankheitsbegriff auch ein deutlich erhöhtes Brustkrebsrisiko umfasse (VGH Kassel, Urteil vom 10. März 2016, Az.: 1 A 1261/15).

Zentrale Aspekte sind nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts die auf Tatsachen gestützte konkrete Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung sowie die Folgen eines Ausbruchs der Krankheit. Diese seien so schwerwiegend, dass der Betroffenen bei wertender Gesamtbetrachtung nicht zuzumuten sei, dem Geschehen abwartend seinen Lauf zu lassen. Mit ins Gewicht falle dabei auch das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Früherkennungsmaßnahmen, die hinreichend sensitiv sind, um bei festgestellter Brustkrebserkrankung gute Heilungschancen zu bieten.

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