Beihilfe für Perücke

Bei Männern ist eine Entstellung mit Krankheitswert entscheidend

17.11.2015 | Entfaltet der Haarverlust bei Männern - speziell in jungen Jahren - eine entstellende Wirkung, können Perücken ein Hilfsmittel sein. Hier mehr dazu.

Im Gegensatz zu Frauen springt bei Männern nicht die Krankenversicherung ein, wenn ihnen mit den Jahren die Haare ausgehen und sie sich eine Perücke zulegen. Anders sieht es aus, wenn der Haarverlust über den typisch männlichen hinausgeht und insbesondere in jungen Lebensjahren eine entstellende Wirkung entfaltet. Dies hat das Bundessozialgericht in einem GKV-Verhandlungsfall entschieden (BSG, Urteil vom 22.04.2015, Az. B 3 KR 3/14 R). Die Entscheidung lässt sich entsprechend auf das Beamtenrecht und die Beihilfe übertragen.

Nach der Rechtsprechung des Gerichts können Perücken, insbesondere Vollperücken, grundsätzlich ein Hilfsmittel sein, für das die Krankenversicherung in der Leistungspflicht steht. Dies ist etwa bei Frauen der Fall, bei denen ein nennenswerter Haarverlust einen von der Norm abweichenden Zustand hervorbringe und eine krankheitswertige Entstellung bewirke. Die Versorgung mit einer Perücke kann dann Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung sein.

Anders bei Männern: Der Verlust des Kopfhaares mit fortschreitendem Lebensalter sei weder eine Krankheit noch eine Behinderung im Sinne des Sozialgesetzbuches und wirke keineswegs entstellend. Da nahezu jeder Mann betroffen ist, gehöre der männliche Haarverlust vielmehr zum alltäglichen Erscheinungsbild. So subjektiv entstellend ein einzelner Mann auch seine Glatze empfinden mag, dürfte er damit in der Öffentlichkeit objektiv jedoch keinerlei Aufsehen erregen im Sinne von Angestarrt-Werden oder Stigmatisierung.

Nur dann, wenn der Haarverlust bei einem jungen Mann über den typisch männlichen hinausgehe und Brauen, Wimpern und den Bart erfasse, stelle dies eine von der Norm abweichende Erscheinung dar. Je nach Alter des Mannes und Aussehen des Kopfes könne eine entstellende Wirkung vorliegen. Der haarlose Kopf des über 70-jährigen Klägers hingegen sei nicht entstellend – weshalb die Krankenkasse die Versorgung des Seniors mit einer Perücke zu Recht abgelehnt hat.

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