Eigenbehalte und bis zu welcher Belastungsgrenze Sie sie hinnehmen müssen

Nicht die gesamten Aufwendungen sind beihilfefähig. Um bis zu zehn Euro je Leistung mindert die Beihilfestelle beihilfefähige Aufwendungen von Beamten des Bundes. Erfahren Sie mehr darüber, welche Ausnahmen es gibt und wann auch Ihre Belastungsgrenze erreicht ist.

Aus dem Inhalt

So errechnen sich Eigenbehalte in der Beihilfe Keine Eigenbehalte für Kinder und Schwangere Belastungsgrenze für Beamte Berechnung der Belastungsgrenze bei Familien Belastungsgrenzen für chronisch Kranke Belastung ist nicht gleich Eigenbehalt Wann nicht verschreibungsfähige Medikamente beihilfefähig sind Antrag auf Befreiung von Eigenbehalten

Ein Fall aus dem Leben gegriffen:

Esther ist als Obersekretärin beim Bundeskriminalamt Bundesbeamtin in der Besoldungsgruppe A7. Gemeinsam mit ihrem Mann Hannes, der als Ingenieur bei einem Maschinenbauunternehmen arbeitet, hat sie drei Kinder: Ben und Jonas sind fünf und acht Jahre, Leonie gerade sechs Monate. Die Familie hat in den letzten Monaten einige Rechnungen gesammelt, für die Esther nun Beihilfe beantragen möchte. Ihr raucht der Kopf, denn sie überlegt, für welche Leistungen sie mit Eigenbehalten rechnen muss und ob sie vielleicht einen Antrag auf Befreiung stellen kann, weil die Belastungsgrenze erreicht ist.

Grundsätzlich müssen Beihilfe-Empfänger sich Eigenbehalte anrechnen lassen für folgende Leistungen:

  • Arzneimittel,
  • Hilfsmittel,
  • Fahrtkosten,
  • Haushaltshilfen,
  • Soziotherapie,
  • vollstationäre Krankenhausaufenthalte,
  • die Inanspruchnahme eines Zweibett-Zimmers (pauschal 14,50 Euro) sowie
  • Reha-Maßnahmen.

So errechnen sich Eigenbehalte in der Beihilfe

Anders als in einigen Bundesländern, gibt es im Bund keine Kostendämpfungspauschale. Mehr zu Besonderheiten in den einzelnen Bundesländern finden Sie hier.

Die Eigenbehalte errechnen sich für jede beihilfefähige Leistung. Für Klinik- und Reha-Aufenthalte zahlen Beihilfeberechtigte pauschal zehn Euro täglich selbst. Für die anderen oben genannten Leistungen mindert sich der beihilfefähige Betrag um zehn Prozent, mindestens fünf und maximal zehn Euro.

Esther benötigte gegen eine Nasennebenhöhlenentzündung ein Antibiotikum, das sie in der Apotheke für 34,08 Euro kaufte. Fünf Euro muss sie sich selber anrechnen lassen, so dass die beihilfefähigen Aufwendungen für dieses Arzneimittel 29,08 Euro betragen.

Keine Eigenbehalte für Kinder und SchwangereKeine Eigenbehalte für Kinder und Schwangere

Etwas anderes gilt für die Aufwendungen für ihren berücksichtigungsfähigen Sohn Jonas. Der Achtjährige brach sich von einigen Wochen beim Fußballspielen das Bein und wurde operiert. Eine Woche lag er im Krankenhaus.

Für Klinikaufenthalte gilt eigentlich ein Eigenbehalt von zehn Euro am Tag – für Kinder unter 18 Jahren sind die Aufwendungen jedoch nicht zu mindern. Deshalb steht Esther hier Beihilfe für die kompletten Kosten der stationären Behandlung zu.

Das gleiche gilt für die Krankenhausrechnung, die nach Leonies Geburt ins Haus flatterte. Esther musste sie per Kaiserschnitt zur Welt bringen und war daher vier Tage in der Frauenklinik. Auch Kosten von Schwangeren im Zusammenhang mit Beschwerden und der Entbindung sind von Eigenbehalten ausgenommen.

Ausnahmen gibt es außerdem für Früherkennungs- und Vorsorgeleistungen sowie die dabei verwandten Arzneimittel. Auch Arzneimittel, die für Diagnosen, Untersuchungen und bei ambulanten Behandlungen gebraucht und als Auslagen abgerechnet wurden, sind ausgenommen.

Und noch eine sehr spannende Ausnahme gibt es: Für besonders günstige Medikamente müssen Beihilfe-Empfänger ebenfalls keinen Eigenbehalt übernehmen. Dazu müssen sie 30 Prozent weniger kosten als der Festpreis für die Gruppe von vergleichbaren Präparaten. Es kann sich also lohnen, den Apotheker nach einer günstigen Alternative zu fragen.

Belastungsgrenze für Beamte: Nicht mehr als zwei Prozent des Jahreseinkommens

Der Bund möchte seine Beamten allerdings nicht über Gebühr belasten. Daher soll der Eigenbehalt zwei Prozent der jährlichen Bruttobezüge nicht übersteigen.

Berechnung der Belastungsgrenze bei FamilienBerechnung der Belastungsgrenze bei Familien

Besonders bei Familien wie der von Hannes und Esther ist die Berechnung dieser Grenze aber gar nicht so einfach. Esther hat im vergangenen Jahr rund 25.000 Euro an Bezügen erhalten. Die Einnahmen ihres Ehegatten spielen keine Rolle, weil er selbst in die Gesetzliche Krankenversicherung einzahlt. Bei verheirateten oder verpartnerten Beihilfeberechtigten werden sogar 15 Prozent des Einkommens abgezogen. Außerdem werden Esther ihre Kinder angerechnet: Die Einnahmen mindern sich für jedes berücksichtigungsfähige Kind um den Betrag, der sich aus dem Einkommensteuergesetz als Kinderfreibetrag ergibt.

Für Esther bedeutet das konkret:

   25.000 Euro Bezüge
-    3.750 Euro für ihren Ehemann
-  10.512 Euro für ihre drei Kinder
= 10.738 Euro

Esthers Belastungsgrenze von zwei Prozent liegt also bei knapp 215 Euro jährlich.

Belastungsgrenzen für chronisch Kranke

Ausnahmsweise kann die Grenze noch niedriger liegen: Chronisch kranke Beihilfeberechtigte müssen Eigenbehalte nur bis zu einer Grenze von einem Prozent ihrer Einkünfte hinnehmen. Wer chronisch krank ist, richtet sich nach der Chroniker-Richtlinie des gemeinsamen Bundesausschusses zur Umsetzung der Regelungen in § 62 SGB V. Demnach ist schwerwiegend chronisch erkrankt, wer über ein Jahr lang mindestens einmal pro Quartal medizinisch behandelt werden musste und zusätzlich pflegebedürftig oder zu 60 Prozent behindert ist oder die Dauerbehandlung auch weiterhin dringend notwendig ist.

Achtung!

Bei chronischen Krebserkrankungen müssen Sie künftig nachweisen, dass Sie sich über die möglichen Vorsorgeuntersuchungen haben beraten lassen. Die Regelung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Bundebeihilfeverordnung bezieht sich zunächst nur auf Untersuchungen zur Früherkennung von Brust-, Darm- und Gebärmutterhalskrebs. Können Sie keine geeigneten Unterlagen wie Rechnungen oder ärztliche Verordnungen vorlegen, erkennt die Beihilfestelle Ihre Krankheit nicht als chronisch an. Die Vorsorgeuntersuchung selbst müssen Sie übrigens nicht in Anspruch genommen haben.

Belastung ist nicht gleich Eigenbehalt

Nun muss Esther errechnen, wie hoch Ihre Belastung tatsächlich ist. Damit ist übrigens nicht der gesamte Betrag gemeint, sondern nur die Differenz zwischen der tatsächlich ausgezahlten Beihilfe und der Summe, die ohne Eigenbehalt ausgezahlt worden wäre.

Am Beispiel von Esthers Antibiotikum:

Mit Eigenbehalt

 

Ohne Eigenbehalt

34,08 Euro

Kosten des Arzneimittels

34,08 Euro

- 5 Euro

Eigenbehalt

0 Euro

29,08 Euro

 

34,08 Euro

70 %

Bemessungssatz

70 %

20,35 Euro

Beihilfe

23,85 Euro

 

3,50 Belastung

 

Erst wenn die Summe dieser Belastungen Esthers Grenze von 215 Euro sprengt, hat ihr Befreiungsantrag Aussicht auf Erfolg.

Nicht verschreibungspflichtige Medikamente beihilfefähigWann nicht verschreibungsfähige Medikamente beihilfefähig sind

Ist die Belastungsgrenze tatsächlich erreicht und der Antrag positiv beschieden, brauchen Beihilfeberechtigte keine Eigenbehalte mehr tragen. Die gesamten Aufwendungen sind dann beihilfefähig.

Und noch eine Vergünstigung genießen die vom Eigenbehalt Befreiten: Bis 2009 berücksichtigten die Beihilfestellen grundsätzlich keine Arzneimittel, die nicht verschreibungspflichtig sind – selbst wenn sie vom Arzt verordnet worden waren. Seit der Gesetzesänderung aus dem Februar 2009 sind nun auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente unter Umständen beihilfefähig.

Gegen ihre andauernde Schwangerschaftsübelkeit, hatte Esthers Ärztin ihr ein Medikament verschrieben. 39,39 Euro bezahlte sie für eine Schachtel in der Apotheke. Da das Medikament nicht verschreibungspflichtig ist, muss Esther es allein bezahlen und kann nicht auf Beihilfe hoffen.

Anders wäre es, wenn sie vom Eigenbehalt befreit würde. Dann sind auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente beihilfefähig, wenn die Ausgaben dafür einen bestimmten Wert überschreiten. Die Schwelle hängt von der Besoldungsgruppe ab. Esther ist als Obersekretärin in der Besoldungsgruppe A 7 eingeteilt. Für die liegt die Grenze bei acht Euro. Für Beihilfeberechtigte in den Besoldungsgruppen A 9 bis A 12 bei zwölf Euro, darüber bei 16 Euro.

Die Beihilfe für solche Medikamente errechnet sich dann wie folgt:

Vom Eigenbehalt befreit

 

Nicht vom Eigenbehalt befreit

 

Besoldungsgruppe A7

 

 

Bemessungssatz 70%

 

39,39 Euro

Apothekenabgabepreis

39,39 Euro

8 Euro

Grenze

Keine

0 Euro

Eigenbehalt

 

39,39 Euro

Beihilfefähig

0 Euro

27,57 Euro

Beihilfe

0 Euro

Das Paracetamol, das die Ärztin Esther ebenfalls verschrieben hat, wird dagegen auch bei einer Befreiung vom Eigenbehalt nicht beihilfefähig: Der Apothekenabgabepreis liegt weit unter dem Grenzwert von acht Euro. Dieses Medikament muss sie in jedem Fall selbst zahlen.

Antrag auf Befreiung von Eigenbehalten

Einen Antrag auf Befreiung von Eigenbehalten müssen Sie mit einem speziellen Formular bei Ihrer Festsetzungsstelle einreichen. Den passenden Vordruck finden Bundesbeamte im Formular-Center des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen.

Die Befreiung können Sie nur für das jeweils laufende und das vorangegangene Jahr stellen. Neben dem Formular müssen Sie Ihre Bezügemitteilung aus dem Dezember des Vorjahres einreichen. Außerdem ist die Rentenbescheinigung oder Rentenanpassungsmitteilung des Vorjahres notwendig sowie der Einkommensteuerbescheid des Vorjahres. Chronisch Kranke müssen zudem ihre Erkrankung durch eine ärztliche Bescheinigung belegen.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Der Eigenbehalt für eine beihilfefähige Aufwendung übersteigt nie zehn Euro.
  • Kinder und Schwangere müssen keine Eigenbehalte tragen.
  • Die Belastungsgrenze liegt bei zwei Prozent der Jahreseinkünfte.
  • Bei chronisch Kranken liegt die Belastungsgrenze bei einem Prozent der jährlichen Einkünfte.
  • Eine Befreiung vom Eigenbehalt müssen Sie speziell beantragen.
Letzte Aktualisierung: 16.11.2016




Gewünschte Information nicht gefunden?
Schauen Sie in unser Glossar
In unseren Glossartexten erläutern wir für Sie ein paar Grundbegriffe rund um unser Gesundheitssystem und FachBeihilfebegriffe, die immer wieder in unseren Texten auftauchen. Beihilferatgeber-Glossar