Beihilfe im Ausland – was Sie wissen und beachten sollten

Wenn Sie während eines Auslandsaufenthaltes erkranken oder verunglücken, sind die Ihnen dadurch entstandenen Kosten grundsätzlich beihilfefähig. Das gebietet schon das Fürsorgeprinzip. Ein Anspruch auf Anerkennung sämtlicher Aufwendungen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Hier erfahren Sie, welche Aufwendungen von der Beihilfe erstattet werden, welche nicht und was Sie im Umgang mit der Beihilfestelle beachten müssen.

Aus dem Inhalt

Versorgungslücken vermeiden Ergänzend zur Beihilfe Auslandskrankenversicherung abschließen Keine Regel ohne Ausnahme Weitere Beihilfe-Besonderheiten bei Reha-Maßnahmen Tipps für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche bei der Beihilfestelle

Werden Sie während eines Auslandsaufenthaltes krank oder erleiden sie einen Unfall, macht es zunächst einmal keinen Unterschied, ob das im Urlaub geschieht oder auf einer Dienstreise. Sehr wohl einen Unterschied macht es dagegen, ob das in einem EU-Land passiert oder in einem nicht zur EU gehörenden Land. § 11 Absatz 1 Satz 1 der Bundesbeihilfeverordnung (BBhV) stellt klar: „Aufwendungen für Leistungen in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union sind wie in Deutschland entstandene Aufwendungen zu behandeln.“ Nicht explizit formuliert wird an dieser Stelle, dass damit (nur) beihilfefähige Aufwendungen gemeint sind, also dafür die üblichen Kriterien – notwendig und angemessen – gelten.

Anders verhält es sich, wenn der Krankheits- oder Unglücksfall in einem nicht zur EU gehörenden Land eintritt. § 11 Absatz 1 Satz 2 sagt dazu: „Aufwendungen für Leistungen außerhalb der Europäischen Union sind beihilfefähig bis zu der Höhe, in der sie in Deutschland entstanden und beihilfefähig wären.“ Hier greift also eine Kostendeckelung ein: Bei der Berechnung zugrunde gelegt werden nicht die tatsächlichen Kosten, sondern die Vergleichskosten im deutschen Gesundheitssystem.

Für dauerhaft im Ausland wohnende Beihilfeberechtigte, den sogenannten Auslandsresidenten, gelten ebenfalls die Regelungen zur Beihilfefähigkeit einer Auslandsbehandlung. Maßgebliches Kriterium für diese Zuordnung ist, dass sie Ihren Wohnsitz nicht aufgrund einer Entscheidung des Dienstherrn nehmen mussten, sondern ihn selbst gewählt haben.

Versorgungslücken vermeiden

Da in anderen Ländern für ärztliche Behandlung und Krankenhausaufenthalte andere Gebührensysteme mit zum Teil deutlich höheren Sätzen als in der Bundesrepublik gelten, besteht die Gefahr, dass Sie nur einen Bruchteil der tatsächlich entstandenen Kosten erstattet bekommen und auf der Differenz „sitzen bleiben“. Auch wenn Sie in die Bundesrepublik zurückgeholt werden müssen, droht Ihnen eine hohe finanzielle Eigenbelastung, denn die Rückführungskosten bekommen Sie generell nicht von der Beihilfe erstattet!

Ergänzend zur Beihilfe Auslandskrankenversicherung abschließenErgänzend zur Beihilfe Auslandskrankenversicherung abschließen

Gegen derartige Kostenrisiken können Sie sich absichern, indem Sie eine zusätzliche private Auslandsreise-Krankenversicherung abschließen. Die jährlichen Beiträge für eine solche Auslandskrankenversicherung sind sehr niedrig, und bis zu einem Betrag von 10 Euro für den Beihilfeberechtigten und für jede berücksichtigungsfähige Person sogar beihilfefähig. Der Beihilfeberechtigte ist dann allerdings verpflichtet, im Versicherungsfall die Versicherungsleistungen in Anspruch zu nehmen.

Keine Regel ohne Ausnahme

In einigen, besonders geregelten Fällen, gelten von der Kostendeckelung abweichende Bestimmungen. Entstehen Aufwendungen in nicht zur EU gehörenden Ländern, sind diese ohne Einschränkung beihilfefähig, wenn sie

  • während einer Dienstreise entstanden sind und die Behandlung nicht bis zur Rückkehr in die Bundesrepublik hätte aufgeschoben werden können (Fürsorgeprinzip!),
  • für ärztliche und zahnärztliche Leistungen 1.000 Euro je Krankheitsfall nicht übersteigen

oder

  • die Beihilfefähigkeit bereits vor Antritt der Reise anerkannt wurde,
  • durch ein ärztliches Gutachten bestätigt wird, dass die Behandlung außerhalb der EU zwingend notwendig ist, weil eine Behandlung innerhalb der EU nicht möglich oder aber von der Behandlung in einem Nicht-EU-Land eine wesentlich größere Erfolgsaussicht zu erwarten ist.

Ausnahmsweise kann die Notwendigkeit einer solchen Behandlung sogar nachträglich anerkannt werden. Voraussetzung für die Anerkennung ist in jedem Fall, dass das entsprechende Gutachten im Auftrag der Festsetzungsstelle erstellt wird. Ohne Einschränkung auf die Kosten, die sich im Inland ergeben hätten. Beihilfefähig sind ferner die in der Nähe der deutschen Grenze wohnenden Beihilfeberechtigten oder ihren berücksichtigungsfähigen Angehörigen entstandenen Aufwendungen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Sie wegen akutem Behandlungsbedarfs oder zur Notfallversorgung das nächstgelegene Krankenhaus aufsuchen mussten. Für die über die reine Notfallbehandlung hinausgehenden Kosten sind die üblichen beihilferechtlichen Eigenbehalte und Belastungsgrenzen zu beachten.

Weitere Beihilfe-Besonderheiten bei Reha-Maßnahmen

Reha-MaßnahmenBestimmte Einschränkungen gelten dagegen für Heilkuren im Ausland und stationäre Rehabilitationsmaßnahmen wie etwa Sanatoriumsbehandlungen. Während bei einer Krankenhausbehandlung beispielsweise die Kosten für die Unterbringung bei einem geringen Eigenanteil voll von der Beihilfe erstattet werden, werden bei einer Sanatoriumsbehandlung nur Zuschüsse gewährt. Reha-Maßnahmen, die im Rahmen eines stationären Aufenthalts durchgeführt werden, oder Aufwendungen für Kuren im Ausland sind beihilfefähig, wenn vor Antritt der Reise durch ein medizinisches Gutachten nachgewiesen wurde, dass eine wesentlich größere Erfolgsaussicht besteht als bei einer Behandlung in Deutschland. Die Aufwendungen für eine Behandlung in der Hochgebirgsklinik oder der Höhenklinik gelten dagegen als in der Bundesrepublik Deutschland aufgekommen, wenn ein Facharzt bescheinigt, dass die eine Behandlung dort wegen des spezifischen Hochgebirgsklimas medizinisch indiziert ist. Relevant ist das etwa für Asthma-Patienten.

Bei ambulanten Heilkuren ist neben dem ärztlichen Gutachten erforderlich, dass der Kurort im „Heilkurorteverzeichnis Ausland“ des Bundesministeriums des Innern aufgeführt ist. Nur dann wird Beihilfe gewährt.

Die Ermittlung der beihilfefähigen Fahrkosten erfolgt unter Berücksichtigung der Vergleichskosten. Dabei werden die tatsächlich entstandenen Kosten für die im Ausland zurückgelegte Strecke zwischen dem Aufenthaltsort des Erkrankten bis zum nächstgelegenen geeigneten Behandlungsort mit der Distanz verglichen, die im Inland ab dem Wohnort des Patienten dahin angefallen wäre.

Tipps für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche bei der Beihilfestelle

Da die Leistungen im Inland sich nach den Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte (GOÄ/GOZ) richten, muss die Beihilfestelle, um eine Vergleichsberechnung vornehmen zu können, die Leistungen des Arztes im Ausland nach der GOÄ/GOZ aufschlüsseln. Aus Ihren ausländischen Belegen müssen deshalb zumindest eine Beschreibung des Krankheitsbildes und der Befund hervorgehen sowie, welche ärztlichen Leistungen erbracht wurden. Wie soll die Beihilfestelle sonst Notwendigkeit und Angemessenheit Ihrer Aufwendungen beurteilen? Eine Möglichkeit ist auch, die Auslandsrechnungen zunächst zusammen mit Ihrem Hausarzt durchzugehen und sie sich von ihm nach den GOÄ-/GOZ-Ziffern aufschlüsseln zu lassen.

Übersetzungskosten für fremdsprachige Rechnungen sind übrigens nicht beihilfefähig. Nicht vergessen sollten Sie zudem eine Bescheinigung über den zum Zeitpunkt der Krankheit oder des Unfalls gültigen Wechselkurs. Die Beihilfestelle benötigt ihn, um die Höhe der Aufwendungen umgerechnet in Euro exakt zu ermitteln.

Letzte Aktualisierung: 16.11.2016




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