Das zahlt die Beihilfe im Krankenhaus und bei anderen Krankheitsfällen

Im Krankheitsfall gewährt Ihnen Ihr Dienstherr finanzielle Unterstützung für viele Behandlungen. Insbesondere wenn Sie ins Krankenhaus müssen, bekommen Sie Beihilfe. Was genau die Beihilfestelle zahlt, erfahren Sie hier.

Aus dem Inhalt

Beihilfe für ambulante Behandlungen Keine Beihilfe für Grippemittelchen Beihilfe für Zahnarztbesuche Beihilfe für psychotherapeutische Leistungen Beihilfe für Fahrtkosten Beihilfe für Behandlungen in Krankenhäusern Beamte haben Anspruch auf Wahlleistungen In Privatkliniken zählen Fallpauschalen Anschlussheilbehandlung Haushaltshilfe und häusliche Krankenpflege Maximal vier Wochen Häusliche Krankenpflege

Ob Medikamente, ambulante Behandlung oder stationärer Aufenthalt in einer Klinik: Als Beamter bekommen Sie einen Teil ihrer Aufwendungen von Ihrem Dienstherrn zurückerstattet. Was er tatsächlich alles unterstützt, zeigt das Beispiel des Bundesbeamten Christian und seiner Familie. Seine drei Kinder gehen in Kindergarten und Schule und sind sportlich aktiv. Deshalb hat eigentlich immer eines der Kinder was: Windpocken, ein gebrochenes Bein oder eine neue Zahnspange. Seine Frau Susanne leidet zudem an Diabetes.

Beihilfe für ambulante Behandlungen

Susanne muss wegen ihres Diabetes regelmäßig zum Arzt. Für die Kosten der ambulanten Behandlung erhält Christian Beihilfe, weil sie notwendig und auch wirtschaftlich angemessen ist. Ihr Blutzuckermessgerät wird als Gerät zur Selbstbehandlung bezuschusst. Genau wie Hilfsmittel und Körperersatzstücke. Sie alle sind in Anlage 9 zur Bundesbeihilfeverordnung aufgelistet. Bis vor kurzem musste ihr sechsjähriger Sohn Luca einmal wöchentlich zur Krankengymnastik. Die Behandlung steht auf der Liste beihilfefähiger Hilfsmittel. Die Familie bekam deshalb einen Teil der Kosten ersetzt.

Beihilfefähig sind auch sogenannte Komplexbehandlungen. Sie werden von berufsgruppenübergreifenden Teams erbracht. Zu den beihilfefähigen Komplexbehandlungen gehört die medizinische Fußpflege beim Podologen, die Susanne gegen das diabetische Fußsyndrom regelmäßig erhält.

Keine Beihilfe für GrippemittelchenKeine Beihilfe für Grippemittelchen

Etwas komplizierter liegt die Sache bei Arznei- und Verbandmitteln. Zwar sind Arzneimittel dann beihilfefähig, wenn Arzt oder Zahnarzt sie verordnen. Der Verordnungsgeber trifft hier jedoch differenzierte Regelungen mit vielen Ausnahmen.

Beihilfe gibt es nicht für

  • Arzneimittel, die überwiegend der Erhöhung der Lebensqualität dienen,
  • verschreibungspflichtige Medikamente gegen Erkältungskrankheiten und grippale Infekte, sofern es sich um geringfügige Gesundheitsstörungen handelt,
  • verschreibungspflichtige Medikamente gegen Mund- und Rachenerkrankungen,
  • verschreibungspflichtige Medikamente gegen Verstopfung,
  • verschreibungspflichtige Medikamente gegen Reisekrankheit,
  • nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel sowie
  • hormonelle Mittel zur Empfängnisverhütung.

Ausnahmen davon gelten für Kinder und Jugendliche. So gibt es für Mädchen bis 20 Jahre auch Beihilfe für Verhütungsmittel. Außerdem können nicht verschreibungspflichtige Medikamente für Minderjährige mit Entwicklungsstörungen und Kinder unter 12 Jahren beihilfefähig sein. Verschreibungspflichtige Medikamente sind für Kinder unter 18 Jahren grundsätzlich nicht von der Beihilfefähigkeit ausgeschlossen.

 

Beihilfe für ZahnarztbesucheBeihilfe für Zahnarztbesuche

Wenn Beamte zum Zahnarzt müssen, zahlt die Beihilfestelle ebenfalls ihren Anteil an den entstehenden Kosten. Denn grundsätzlich sind zahnärztliche Behandlungen genauso beihilfefähig wie andere ambulante Behandlungen, wenn sie notwendig und wirtschaftlich angemessen sind. Auslagen, Material- und Laborkosten, die dabei entstehen, sind zu 40 Prozent beihilfefähig. Außerdem bekommen Bundesbeamte und ihre berücksichtigungsfähigen Angehörigen bis zu zwei Implantate pro Kiefer ohne weitere Voraussetzungen erstattet. Wenn bestimmte Indikationen eintreten, sind es sogar bis zu vier.

Christians zwölfjährige Tochter Maja braucht eine Zahnspange. Auch für diese Kosten bekommt die Familie Unterstützung. Kieferorthopädische Leistungen sind beihilfefähig, wenn bei Behandlungsbeginn das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet ist. Jedoch verlangt die Beihilfestelle vorher einen Heil- und Kostenplan. Erst wenn sie den genehmigt hat, kann es losgehen mit der Behandlung.

Vorsichtig müssen Beamte und Beamtinnen auf Widerruf im Vorbereitungsdienst sein. Folgende Zahnbehandlungen sind für Bundesbeamte und für die meisten Landesbeamten nicht beihilfefähig:

  • Zahnersatz,
  • Inlays,
  • Zahnkronen,
  • funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen sowie
  • implantologische Leistungen.

Diese Einschränkungen gelten auch für die berücksichtigungsfähigen Angehörigen.

Beihilfe für psychotherapeutische Leistungen

Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte und analytische Psychotherapie und psychosomatische Grundversorgung erstattet die Beihilfe ebenfalls. Diese Behandlungen unterstützt die Beihilfestelle bis zu einer bestimmten Höchstgrenze an Sitzungen.

Beihilfe für Fahrtkosten: Die Fahrt mit dem Krankenwagen ist beihilfefähig

Vor einigen Wochen wurde Christians zehnjähriger Sohn Tim nach einem Fahrradunfall mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht. Die saftige Rechung für die Rettungsfahrt reichte Christian bei der Beihilfestelle ein. Für solche Transporte ins Krankenhaus gibt es grundsätzlich Beihilfe. Außerdem gibt es Unterstützung für weitere Fahrtkosten, die in Zusammenhang mit stationären Behandlungen stehen. In Ausnahmefällen werden sogar Fahrten zu ambulanten Behandlungen erstattet oder wenn Eltern ihre Kinder im Krankenhaus besuchen.

Beihilfe für Behandlungen in KrankenhäusernBeihilfe für Behandlungen in Krankenhäusern

Christians Sohn Tim musste nach seinem Fahrradunfall im Krankenhaus behandelt werden. Gott sei Dank nur ein Beinbruch, der aber wurde operiert. Deshalb musste Tim eine Woche im Krankenhaus bleiben. Weil der Bruch kompliziert war, hat Christian den Chefarzt zu Rate gezogen.

Die Bundebeihilfeverordnung unterscheidet zunächst danach, ob die Krankenhausbehandlung in einer Klinik erbracht wurde, die nach Krankenhausentgeltgesetz abrechnet, oder in einer Privatklinik. In normalen Krankenhäusern werden nicht nur allgemeine Krankenhausleistungen von der Beihilfe erstattet. Auch vor- und nachstationäre Behandlungen werden unterstützt. Wenn es aus medizinischen Gründen notwendig ist, gibt es auch Beihilfe für die Unterbringung einer Begleitperson.

Beamte haben Anspruch auf Wahlleistungen

Beamte des Bundes können außerdem Wahlleistungen in Anspruch nehmen. Darunter fallen zum einen wahlärztliche Leistungen. So wie Christian sie für seinen Sohn genutzt hat. Auch eine bequemere Unterbringung im Zweibett-Zimmer unterstützt der Dienstherr. Für diese Wahlleistung müssen sich Beamte allerdings 14,50 Euro für jeden Tag des Aufenthaltes im Krankenhaus anrechnen lassen.

In Privatkliniken zählen Fallpauschalen

Beihilfe erhalten Beamte des Bundes auch dann, wenn sie sich in einer Privatklinik behandeln lassen. Dann allerdings wird die Abrechnung kompliziert. Zunächst prüft die Beihilfestelle, ob Indikationen vorliegen, die in einem normalen Krankenhaus mit Fallpauschalen abgerechnet würden. In diesem Fall sind Aufwendungen für allgemeine Krankenhausleistungen bis zu einem Höchstbetrag beihilfefähig, der sich aus dem Katalog der Fallpauschalen ergibt. Kann nicht mit Fallpauschalen abgerechnet werden, legt das Gesetz Obergrenzen für Basispflegesatz fest. Die Kosten für eine Unterbringung im Zweibett-Zimmer werden ebenfalls bezuschusst.

Eine Sonderregelung trifft die Bundesbeihilfeverordnung für den Fall lebensbedrohlicher Krankheiten. Im Normalfall gibt es für solche Behandlungen nur dann Beihilfe, wenn sie nach einer wissenschaftlich anerkannten Methode erfolgen. Wenn Beihilfeberechtigte oder ihre berücksichtigungsfähigen Angehörigen so krank sind, dass sie sterben könnten und eine anerkannte Methode nicht zur Verfügung steht, wird diese Voraussetzung gelockert. In diesem Ausnahmefall sind auch alternative Behandlungen beihilfefähig, wenn eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf Heilung oder auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf besteht.

Anschlussheilbehandlung

Nach Krankenhausbehandlungen billigt die Beihilfeverordnung Beamten eine Reha zu. Korrekt heißt sie Anschlussheilbehandlung. Sie muss an einen Aufenthalt im Krankenhaus zur Behandlung einer schwerwiegenden Erkrankung anschließen. Oder zumindest mit einer solchen in Zusammenhang stehen. Nur ausnahmsweise kommt eine Reha nach einer ambulanten Behandlung in Frage, wenn diese in Zusammenhang mit einem Aufenthalt im Krankenhaus stand.

Haushaltshilfe und häusliche Krankenpflege

Darüber hinaus gibt es im Umfeld von Krankenhausbehandlungen weitere Unterstützungen für Beamte. Als Susanne vor einigen Jahren ins Krankenhaus musste, damit ihr Blutzucker eingestellt werden konnte, war ihr Mann plötzlich mit den drei kleinen Kindern allein zu Hause. In diesen Fällen zahlt die Beihilfestelle auch einen Anteil der Kosten für eine Haushalts- und Familienhilfe. Die Voraussetzungen:

  • der Beihilfeberechtigte oder ein berücksichtigungsfähiger Angehöriger ist in stationärer Behandlung,
  • mindestens ein Kind unter 12 Jahren ist im Haushalt und
  • kein anderer kann den Haushalt führen.

Weil Christian arbeiten musste, war er in dieser Zeit dringend auf Hilfe angewiesen.

Maximal vier Wochen Häusliche Krankenpflege

Beihilfe gibt es auch, wenn Beihilfeberechtigte oder ein berücksichtigungsfähiger Angehöriger zu Hause gepflegt werden müssen. Allerdings zeitlich begrenzt. Häusliche Krankenpflege ist nur für höchstens vier Wochen beihilfefähig, wenn es keine andere im Haushalt lebende Person übernehmen kann, die Leistung aber im eigenen Haushalt erbracht wird und ein Arzt dies für medizinisch notwendig hält.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst:

  • Für viele Arzneimittel gibt es keine Beihilfe.
  • Aufwendungen für bis zu vier Implantate erstattet die Beihilfe ohne weiteres.
  • Beamte haben im Krankenhaus Anspruch auf Wahlleistungen.
  • Für Behandlungen in Privatkliniken bekommen Beamte Beihilfe – allerdings begrenzt auf die Fallpauschalen.
  • Beihilfeberechtigte haben Anspruch auf Haushaltshilfe, wenn ein Elternteil im Krankenhaus ist und Kinder im Haus sind.
Letzte Aktualisierung: 16.11.2016




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